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Dienstag, 24. Mai 2022

[REZENSION] Die Kinder sind Könige | Roman


Titel: Die Kinder sind Könige | Autorin: Delphine de Vigan 
Verlag: Dumont | Seitenanzahl: 320 Seiten 
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Inhaltsangabe

Mélanie war als junges Mädchen ein großer Fan von Formaten wie ›Big Brother‹. Sie hatte stets davon geträumt, gesehen und berühmt zu werden. Jahre später, als Mutter zweier Kinder, ist es ihr gelungen: Sie ist eine erfolgreiche Youtuberin mit Tausenden von Followern. Objekt ihrer Videos und Posts sind ihre Kinder, die auf Schritt und Tritt gefilmt werden. Seit Kurzem kommt ihre kleine Tochter dem Filmen jedoch immer unwilliger nach. Mélanie tut das als eine Laune ab. Denn wie könnte man die unendliche Liebe, die ihnen aus dem Netz entgegenkommt, als Last empfinden? Kurz darauf verschwindet Kimmy nach einem Versteckspiel spurlos. Wie, fragt sich die ermittelnde Polizeibeamtin Clara, soll man einen Verdächtigen ausmachen bei einem Kind, das Tausende Menschen kennen und mehrfach täglich sehen? Schnell begreift sie, dass ihre Methoden der Ermittlung in der virtuellen Welt vollkommen nutzlos sind...
(Quelle: Dumont)

 

Meine Meinung


Ein ganz wichtiges Buch zur heutigen Zeit

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie und wo ich über dieses Buch gestolpert bin.
Ich hatte immer mal wieder vor, endlich ein Buch von Delphine de Vigan zu lesen, aber habe es dann doch immer wieder verworfen. Als ich die Inhaltsangabe zu "Die Kinder sind Könige" gelesen habe, stand sehr schnell fest, dass ich dieses Buch lesen MUSS!

Ich bin vor vier Monaten erstmals Mutter geworden und auch ich treibe mich auf Social media Kanälen, wie Instagram und Facebook herum und fragte mich bereits während der Schwangerschaft, wie weit ich mein Privatleben und Bilder zu meiner Tochter im Internet veröffentliche. Ich habe vorerst meinen Weg gefunden und finde, dass dieses Buch vor allem für junge Mütter, aber auch für viele bereits erfolgreiche Blogger und Influencer ein Must-Read ist. Es hält einem vor allem mit verschiedenen, meist unauffälligen Sätzen vor Augen, wie die virtuelle Welt heutzutage läuft.

"Die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt waren längst verschwunden." (S. 199)

"Aber für einen Klick, ein Herz oder einen hochgereckten Daumen zeigte man seine Kinder und seine Familie, erzählte man sein Leben." (S. 201)

Mélanie als Charakter ist sehr schwer zu fassen bzw. es fiel mir sehr schwer, sie nicht bereits auf den ersten Seiten, auf denen sie bereits Mutter ist, zu verurteilen.
Beginnen tut das Buch mit Mélanie's Kindheit und Jugendjahre, welche auch den Grundstein für ihren Geltungsdrang widerspiegeln.
Mélanie wollte gesehen, geliebt, erfolgreich sein, dennoch war ihr Selbstwertgefühl zunächst zu gering, um sich selbst in den Mittelpunkt zu holen.
Dann wurde sie zunächst Mutter eines Sohnes namens Sammy und zwei Jahre später erblickte ihre Tochter Kimmy das Licht der Welt.
Ihre Hauptakteure waren gefunden.

Die junge Mutter fand gefallen daran, jede Sekunde ihres Lebens/ihres Alltags mit ihren mittlerweile Millionen Followern zu teilen. Instagramabstimmungen entschieden über Dinge, die für die Kinder gekauft werden und die Kinder wurden zu Aushängeschildern verschiedener Marken. Youtube-Videos, welche Produkttests beinhalteten gehörten bald zur Tagesordnung. Diese Aspekte im Buch fand ich ganz ganz schrecklich.
Wer will bitte so wenig selbstbestimmt sein bzw. leben?
Dass dieses Leben nicht die erste Wahl der beiden Geschwister war, konnte man als Leser sehr schnell herauslesen.

"Niemand konnte ermessen, was ihr dadurch abverlangt wurde. Diese Einsamkeit, die sie hinnehmen musste. Der Preis für den Erfolg." (S. 129)

Und dann baut die Autorin eine Wende ein, die vor allem das Leben der Mutter Mélanie auf den Kopf stellt. Es ist ein Bewährungsprobe, von der sich jeder Leser selbst eine Meinung bilden sollte, ob Mélanie diese besteht oder nicht.
Ihre Tochter Kimmy wird nach dem Posten einer Instagramstory entführt.
Gesehen haben diese Millionen von Followern.
Ebenso wurde der Ort des Geschehens genannt, das heißt, Millionen von Menschen wussten, wo sich die kleine Kimmy aufhielten.
Dieser Sachverhalt macht die Suche nach einem Kind meines Erachtens fast unmöglich.
Die virtuelle Welt ist mittlerweile so groß und gefährlich geworden, dass Polizei & Co. die Hände gebunden sind. 

"Fakt war, dass ihre Mutter ihr Leben nicht mehr Stunde für Stunde vor Unbekannten ausbreitete. Jemand hatte Stopp gesagt. Und die Maschine war stehen geblieben." (S. 220)
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Neben den vielen negativen Aspekten und Beschreibungen dieser Social media Welt hat mir irgendwie der Lichtblick in dieser Geschichte gefehlt. So genau in Worte kann ich meinen Kritikpunkt gar nicht fassen, aber mir fehlte es glaub ich an Emotionen.


Mein Fazit


Bisher das wichtigste Buch in diesem Jahr.
Die Message dahinter kann niemand mehr von sich weisen, der Instagram & Co. benutzt und Kinder hat. Wenn ich in Zukunft vielen Unbekannten einen Blick in mein Privatleben gebe, werde ich vor dem Posten immer einen Gedanken an dieses Buch verlieren.
Dass ich dieses Buch der Autorin als erstes ihrer Werke gelesen habe, war gut und ich freue mich auf mehr von Delphine de Vigan.

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Die Autorin

DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihr Roman ›Dankbarkeiten‹ (2019). Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.
© Delphine Jouandeau

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