
Titel: Verschwiegen | Autorin: Eva Björg Aegisdóttir
Verlag: Argon Verlag | Hördauer: 15 Stunden und 28 Minuten
Reihe: Band 1/5 der Reihe "Mörderisches Island"
Gelesen von: Christiane Marx
In der Nähe des Leuchtturms der isländischen Stadt Akranes wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass sie keine Fremde in dem kleinen Ort ist. Polizistin Elma, die nach dem Ende ihrer Beziehung aus Reykjavík in ihre Heimatstadt zurückgekehrt ist, übernimmt zusammen mit ihren Kollegen Sævar und Hörður die Ermittlungen. Sie stoßen auf ein Geheimnis in der Vergangenheit der Toten, dessen Folgen bis heute nachwirken. Im Zuge der Ermittlungen entdecken Elma und ihr Team eine Reihe weiterer, lang verborgener Verbrechen, die die gesamte Community der Stadt erschüttern. Doch auch Elma kämpft mit den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit. "Verschwiegen" ist der Auftakt der fesselnden, psychologischen Krimireihe "Mörderisches Island".
Wenn die Vergangenheit nicht schweigt
Mit "Verschwiegen" gelingt Eva Björg Aegisdottir ein stimmungsvoller Auftakt ihrer Krimireihe rund um Ermittlerin Elma. Die Geschichte spielt in der isländischen Kleinstadt Akranes, deren raue, oft melancholische Atmosphäre perfekt zur Handlung passt. Wie es immer bei skandinavischer Literatur ist, bin ich sehr dankbar dafür, dass die Protagonistin einen Namen hat, den man sich schnell merken konnte und im gleichen Atemzug auch wusste, wie er geschrieben wird^^
Ermittlerin Elma ist eine interessante Protagonistin, die nicht nur beruflich überzeugt, sondern auch durch ihre persönliche Geschichte greifbar wird. Gerade diese Mischung macht sie zu einer Figur, der man gerne folgt. Im Buch selbst, erlebt man eine kleine Annäherung mit einem ihrer Kollegen, hier bin ich gespannt, wo und ob das irgendwo hinführen wird.
Besonders eindrücklich ist das Setting rund um den Leuchtturm, eine verlassene, fast beklemmende Kulisse, die dann auch zum zentralen Schauplatz des Mordfalls wird. Diese düstere Stimmung zieht sich durch das gesamte Hörbuch und verstärkt die Spannung enorm. Denn nicht nur dieses Setting konnte mich fesseln, auch das Wohnhaus der kleinen Elisabeth hatte es für meinen Geschmack in sich.
Denn ein zweiter, emotional sehr intensiver Erzählstrang führt zurück ins Jahr 1989, welches übrigens mein Geburtsjahr ist, und begleitet die kleine Elisabeth. Ihre Erlebnisse, insbesondere die Szenen rund um den Schrank, sind schwer auszuhalten und gehen unter die Haut. Man leidet regelrecht mit ihr und fragt sich unweigerlich, wie sehr eine solche Kindheit ein Leben prägen kann.
Die Ermittler finden sehr schnell heraus, das und welche Verbindung die tote Frau zu der Stadt Akranes hat. Die Geister der Vergangenheit haben sie zurückgeführt, in eine Zeit, in der sich die Vorkommnisse nur so überschlagen haben. Und ich kann euch sagen, dass es wenig erfreuliche Vorkommnisse waren. Die Frau suchte alte Bekannte auf und ihr Schicksal nimmt seinen Lauf und endet tot am Strand.
Die Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist beim Hören nicht sofort offensichtlich und fordert Aufmerksamkeit. Gerade das macht aber den Reiz aus: Nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen. Schreibstil und Aufbau sind sehr gelungen, die beiden Handlungsstränge nähern sich im Verlauf der Geschichte an und treiben die Spannung kontinuierlich voran.
Am Ende, als sich sehr viele Puzzleteile aus der Vergangenheit und der Gegenwart zusammenfügen, hält die Geschichte noch ein, zwei überraschende Wendungen bereit, die den Krimi gelungen abrunden.
Das Ende ist für mich recht offen. Wenn man keinen weiteren Band der Reihe lesen/hören möchte, kann man denk ich damit leben, aber ich bin eher interessiert und neugierig, wie es in Akranes weitergeht.
Dieser Reihenauftakt ist ein atmosphärisch dichter Island-Krimi mit emotionaler Tiefe und spannender Struktur, der mich gut unterhalten hat. Ich mag die raue Landschaft und manch rauere Charaktere sehr gern. An dieser Reihe werde ich dran bleiben.
Eva Björg Ægisdóttir ist Jahrgang 1988 und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Reykjavík. Sie ist in Akranes geboren und aufgewachsen, der Stadt, in der ihre Krimis spielen. Nach ihrem Abschluss in Soziologie zog sie nach Trondheim in Norwegen, wo sie einen Master in Globalisierung machte. Für ihren ersten Krimi wurde sie mit dem renommierten isländischen Blackbird-Award ausgezeichnet. Freyja Melsted ist in Österreich und Island aufgewachsen. Sie übersetzt aus dem Englischen, Spanischen und Isländischen.
Weitere Bände der Reihe
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