Eine Liebeserklärung an das Leben und die Magie einer richtig guten Geschichte
Tilly fällt aus allen Wolken, als sie an ihrem Geburtstag einen Anruf von Buchhändler Alfie Lane erhält. Ihr Ehemann Joe hat in Alfies kleinem Laden ein Geschenk für sie hinterlegt: ein Jahr voller Bücher – für jeden Monat eins. Seit Joes Tod vor fünf Monaten ist Tilly nicht mehr dieselbe, doch nun fasst sie sich ein Herz. Die Bücher führen sie von einem Abenteuer ins nächste. Durch die lebhaften Straßen New Yorks, zu neuen Freunden in Paris, in die friedvollen Hügel der Toskana und zu den kilometerlangen Sandstränden von Bali. Mit Alfies Hilfe entdeckt sie alte und neue Seiten an sich und lernt eine Tilly ganz ohne Joe kennen. Kann ihr dieses Jahr voller Bücher und Wunder zeigen, wie man wieder lacht, träumt und Pläne schmiedet? Und wie man sich vielleicht sogar neu verliebt?
Zwölf Monate, zwölf Bücher, ein neuer Anfang
Im Dezember habe ich mir selbst einige Bücher meiner Wunschliste gegönnt.
Dieses Buch kam eher sehr spontan am Ende meiner Bestellung hinzu und ich bin dankbar. Dankbar, dass ich es auch zeitnah zur Hand genommen und gelesen habe.
Diese Geschichte war zu Weihnachten und zwischen den Feiertagen, wenn die Welt etwas ruhiger wird, eine Wohltat. Ein richtiges Wohlfühlbuch fürs Kopf und Herz.
Tilly war mir von der ersten bis zur letzten Seite ans Herz gewachsen. Optisch kommt sie mit ihrem ganz eigenen Kleidungsstil recht quirlig daher, habe ich sie sonst eher als ruhigen Menschen eingeschätzt. Sie arbeitet in der Buchbranche, ist aber noch nicht in dem Bereich, für das ihr Herz schlägt. Den Romanen.
Wir lesen von einer wunderschön, wie auch witzigen Kennenlerngeschichte zwischen Tilly und Joe. Eine Romanze, wie sie im Buch steht und auch die Einblicke, die uns die Autorin in ihre gemeinsame Zeit gibt, waren allesamt schön.
An einem, für Tilly, besonderen Tag ändert sich dieses Leben.
Joe bekommt eine ärztliche Diagnose, die besagt, dass er nicht mehr lange zu leben hat.
Ich bin zwar immer sehr interessiert daran, medizinische Einblicke zu bekommen, aber hier finde ich es sehr gut gewählt, dass sich die Autorin gegen diese Einblicke entschieden hat.
Joe geht ganz leise und hinterlässt Großes.
„Trauer ist kein Sturm. Sie ist eher wie Nebel.“
Pünktlich zum Jahresbeginn, Anfang Januar erhält Tilly einen Anruf einer kleinen Buchhandlung aus ihrem Viertel in London, namens "Book Lane".
Der Besitzer Alfie spricht davon, dass Tilly etwas abholen soll, was von einem Mann namens Joe für sie hinterlegt wurde. Worte, die sie sehr schnell abtut, denn Joe ist tot und dennoch ist sie neugierig und in dem Moment, in dem sie durch die Eingangstür der Buchhandlung tritt, beginnt ihre Heilung.
Die Geschichte ist in zwölf Abschnitte gegliedert, je einer für jeden Monat.
In jedem Monat bekommt Tilly ein Buch aus der Buchhandlung, welches von Alfie schön verpackt wurde und ein Brief von Joe, der dem Buch beiliegt.
Diese Struktur gibt dem Roman einen sanften Rhythmus.
Lesen → Erinnern → kleine Veränderung → nächster Monat.
Das ist erzählerisch sehr klug, weil es zeigt: Heilung geschieht nicht auf einmal, sondern in Etappen. Joe schreibt einmal sinngemäß:
„Ich wollte dir etwas dalassen, das dich begleitet, wenn ich es nicht kann.“
Die Briefe sind kein sentimentales „Aus dem Jenseits“, sondern wirken wie ein letzter Liebesdienst.
Und was bringen uns Lesenden, diese zwölf Monatsabschnitte?
Ganz viele Buchtitel und Tipps, ganz viele Optimismus und wiederkehrende Lebensfreude, ganze viele Reisen an wunderschöne und abenteuerliche Orte.
Sie bringen uns die Protagonistin wieder zurück.
Ich habe das Buch, auch wenn ich es gekonnt hätte, nicht in einem Rutsch gelesen, sondern immer einen Monat nach dem anderen. Dazwischen brauchte ich wirklich eine kleine emotionale Pause. Denn das ausgewählte Buch von Joe und der dabei liegende Brief machen auch was mit dem Leser. Sie stimmten mich nachdenklich und zugleich hätte ich des Öfteren weinen können, weil Joe's Idee so wunderschön ist.
Und beim Lesen der Briefe kommt es einem vor, als wenn Joe noch da wäre, Tilly danach in den Arm nimmt und mit ihr gemeinsam das Abenteuer bestreitet.
„Du darfst traurig sein. Aber du darfst auch wieder lachen.“
Dieses Buch hat mich weniger durch große Dramatik als durch seine leisen, ehrlichen Momente berührt. Libby Page erzählt keine spektakuläre Liebesgeschichte, sondern eine Geschichte vom Weiterleben, und genau das macht sie so glaubwürdig.
Denn wie sagte Joe in einem seiner Briefe:
„Es wird anders. Und anders kann auch gut sein.“
Libby Page schreibt klar, ruhig und warm.
Keine verschachtelten Sätze, keine literarischen Spielereien – sondern eine Sprache, die sich wie eine Tasse Tee an einem grauen Tag anfühlt.
Manchmal fast schlicht, aber genau dadurch emotional ehrlich.
Und dieses Buch ist absolut nicht nur der Liebe zu einem anderen Menschen gewidmet, sondern auch der Liebe zu Büchern und der heimischen Buchhandlung ❤
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