Was, wenn die Schuld bestimmt, wer wir sind?
Vanessa Carvin ist auf der Flucht vor ihrem alten Leben. Mit kurz geschorenen Haaren und neuem Namen will sie auf der kleinen Insel vor der irischen Küste noch einmal neu anfangen. Zu Hause in Dublin kannte die Presse über Monate kein anderes Thema als die missbräuchlichen Taten ihres Mannes. Hier, in der Abgeschiedenheit zwischen tosendem Ozean und ihrer einsamen Hütte, drängt sich Vanessa nun die Frage auf, die nur sie beantworten kann – wo liegt die Grenze zwischen Unwissen und Mitschuld?
Kompromisslos und doch voller Empathie erzählt John Boyne in Wasser von einer Frau und ihrer Suche nach der eigenen Schuld. Eine fesselnde Lektüre über die Tiefen und Untiefen des Menschen.
Wasser ist Teil 1 von John Boynes großem Erzählprojekt "Die Elemente".
John Boyne kann mich auch nach Jahren noch abholen
John Boyne ist mir seit Jahren ein Begriff. Allerdings ist wirklich einige Zeit vergangen, in der ich keine Bücher des Autors gelesen habe. Auch diesen Reihenauftakt habe ich nur durch Zufall entdeckt, weiß aber jetzt schon, dass ich diese Reihe hörend weiterverfolgen werde.
Vanessa Carvin, eine Frau, die ein Leben lebte, welches selbstverständlich erschien, dennoch sehr kühl und nicht wünschenswert war.
Ihr Mann Brendan, Vorstand im irischen Schwimmverband. Ein Mann, den die Welt kennt. Sie, seine Frau, ein modisches Aushängeschild, welches auch die Erziehung beider Töchter, Emma und Rebecca, übernimmt und an ein perfektes Familienbild glaubt.
Vanessa, welche die Erzählerin der Geschichte darstellt, erschien mir die ganze Zeit deutlich reifer und älter, als ihr angegebenes Alter von 28 Jahren. Hier wirft sich gleich die Frage auf, lassen Schicksalsschläge einen Menschen wachsen bzw. altern?
Nach einem Medienrummel um ihren Mann, zieht Vanessa die Reißleine.
Verlässt Dublin und landet auf einer abgeschiedenen irischen Insel.
Dort nimmt sie ein Cottage in Bezug, welches nur das nötigste zu bieten hatte.
Kein Fernsehen, kein WLAN. Sie ändert ihren Namen und verändert ihr Aussehen.
Vanessa will ihre Ruhe. Will zur Ruhe kommen. Will vergangene Entscheidungen nachvollziehen und zukünftige Entscheidungen treffen.
Wie konnte sich ihr Leben nur so entwickeln, fragt sie sich in der Einsamkeit, die sie als Heilung ansieht.
In Dublin wurde ihr Mann des Missbrauchs an mindestens acht Mädchen, welche Mitglieder im irischen Schwimmverband waren, angeklagt.
Wie konnte sie diese Seite ihres Mannes nicht erkennen?
Wie konnte sie seine Taten nicht erkennen?
Wie konnte er sich an einen Teil ihres gemeinsamen Lebens vergreifen.
Eine Tat, die so schreckliche Folgen mit sich gebracht hat.
Wasser, ein einnehmendes, kaltes und in großen Dimensionen, verschlingendes Element.
Ein Element, welches Vanessas Leben auf den Kopf stellt, ihr Leben zerstört.
Und dennoch bringt sie die Kraft auf, um sich neu zu sortieren, zu retten, was zu retten ist. Eine Kämpferin, deren Gedanken und Handlungsweisen ich so gut verstehen konnte, auch wenn sie eine bedrückende Atmosphäre erschufen.
John Boyne kann es noch. Mich abholen, mitnehmen und am Ende einer Geschichte denken lassen: ich will mehr.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzverordnung gelesen hast und die Speicherung deiner Daten akzeptierst.