
Titel: Middle of the Night | Autor: Riley Sager
Seitenanzahl: 448 Seiten
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Inhaltsangabe
Das Schlimmste, was in Hemlock Circle je passiert ist, geschah im Hinterhof von Ethan Marsh. In einer Julinacht vor dreißig Jahren verschwand der zehnjährige Billy aus dem Zelt, in dem Ethan und sein bester Freund übernachteten, und tauchte nie wieder auf.
Dreißig Jahre später kehrt Ethan nur widerwillig nach Hemlock Circle zurück. Von Schlaflosigkeit und Albträumen geplagt, muss er sich fragen, ob die merkwürdigen Dinge, die in seinem Heimatort passieren, mit Billy zu tun haben. Ist sein tot geglaubter Freund etwa zurückgekehrt?
Die mysteriösen Vorkommnisse veranlassen Ethan zu untersuchen, was in jener Nacht wirklich geschah. Und ihm wird schnell klar, dass der beschauliche Vorort keineswegs ein sicherer Ort ist.
(Quelle: Dtv)
Meine Meinung
Was geschah im Garten hinter dem Haus?
Ich muss ja gestehen: Ich liebe Vorstadtgeschichten in Amerika. Schon in der gemeinsamen Leserunde mit Nicole von Zeit für neue Genres habe ich erwähnt, dass ich mir so ein amerikanisches Vorstadtleben in einem zweiten Leben durchaus vorstellen könnte. Ein Haus mit weißen Holzschindeln, eine 360°-Veranda, ein wunderschöner Vorgarten, dahinter ein großer Garten – und eine freundliche Nachbarschaft, in der sich hinter verschlossenen Türen doch Geheimnisse verbergen, sobald man sich wegdreht. Von Beruf wäre ich übrigens Buchhändlerin^^.
Aber Spaß beiseite, zurück zum Buch.
Das Setting von „Middle of the Night“ bekommt von mir definitiv die volle Punktzahl. Genau dieses typische amerikanische Vorstadtflair im Hemlock Circle hat mich sofort abgeholt. Riley Sager versteht es meisterhaft, diese scheinbar perfekte Idylle mit einem unterschwelligen Gefühl der Bedrohung zu unterlegen.
Der Roman beginnt am Morgen nach der Tat. Der zehnjährige Ethan Marsh erwacht im Zelt, sieht durch einen schmalen Schlitz den hellblauen Himmel und wundert sich, wo sein bester Freund Billy geblieben ist. Eine Nacht, die ihm alles nahm. Dreißig Jahre sind inzwischen vergangen, und Ethan kehrt in den Hemlock Circle zurück, weil seine Eltern ins warme Florida gezogen sind. Doch die Rückkehr an den Ort des Geschehens – in sein Elternhaus, in seinen eigenen Garten – reißt alte Wunden auf. Die Albträume werden stärker, nicht schwächer. Das Trauma sitzt tief.
Besonders atmosphärisch empfand ich die nächtlichen Szenen. Ethan wird von einem „Rrrritsch“ geweckt, tritt ans Fenster und blickt in die schlafende Nachbarschaft. Hier geht ein Bewegungsmelder an, dort der nächste, dann noch einer. Ist da jemand? Und als plötzlich ein Baseball in seinem Garten liegt, erstarrt man als Leser förmlich mit ihm. Diese Momente waren sehr gut gesetzt.
Riley Sager lässt sein Talent wieder eindrucksvoll aufblitzen. Durch seine detaillierten Beschreibungen der Nachbarschaft hatte ich so einige Verdächtige im Auge. Meine Mitleserin und ich waren fleißig am Rätseln, welche Hintergründe Billys Verschwinden haben könnte und welche Rolle das geheimnisvolle Institut im Wald dabei spielt. So viel sei verraten: Auf die tatsächliche Auflösung sind wir nicht gekommen.
Neben der zentralen Geschichte um Billys Verschwinden werden im Verlauf des Romans auch einige Nebengeschichten erzählt, die sich mit anderen Figuren und Ereignissen im Umfeld beschäftigen. Diese ließen sich angenehm lesen und haben die Nachbarschaft lebendig wirken lassen. Für mich persönlich hatten sie jedoch keinen wirklichen Mehrwert für die Haupthandlung und hätten stellenweise etwas straffer ausfallen dürfen.
Besonders gelungen fand ich, wie sich der Autor langsam, fast schleichend, an die Tatnacht heranpirscht. Er beginnt mit Erzählungen vom 15. Juli 1994, 8:36 Uhr und arbeitet sich Stück für Stück vor bis zum Showdown am 16. Juli 1994, 00:48 Uhr. Dieser klar umrissene Zeitraum bietet Raum für zahlreiche kleine Details und Entwicklungen, die den Leser intensiv an die entscheidenden Stunden heranführen.
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich jedoch der gelegentliche Wechsel der Erzählperspektive. Der Großteil der Geschichte wird aus Ethans Sicht erzählt, doch zwischendurch übernimmt kurz eine andere Figur das Wort. Diese Perspektivwechsel haben mich stellenweise etwas aus dem Lesefluss gerissen.
Im Verlauf der Geschichte hatte ich zunehmend die Befürchtung, dass die Auflösung in eine übernatürliche Richtung gehen könnte. Eine Sorge, die ich nicht näher kommentieren möchte. Was ich jedoch sagen kann: Das Ende kam überraschend, und Riley Sager hält noch einige Wendungen bereit, die alles noch einmal auf den Kopf stellen.
Mein Fazit
Insgesamt ist „Middle of the Night“ für mich ein atmosphärischer Thriller mit starkem Setting, viel Vorstadt-Feeling und einer konstanten, unterschwelligen Spannung. Wer psychologische Spannung, dunkle Geheimnisse hinter gepflegten Hecken und eine Geschichte über Verlust, Trauma und Wahrheit liebt, sollte hier unbedingt zugreifen.
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