Montag, 6. April 2026

[REZENSION] Der Bund der Bestien | Extremhorror

Titel: Der Bund der Bestien | Autor: Gil Valle
Verlag: FESTA Verlag | Seitenanzahl: 288 Seiten
Reihe: Extrem Band 62
Kaufen: Hier

Inhaltsangabe


Sarah und Jennifer sind zwei junge Frauen aus New York. Sie ahnen nicht, dass sie ins Visier einer Gruppe von reichen Sadisten geraten sind.
Die Gruppe trifft sich im Darknet, um ihre ungewöhnlichen sexuellen Wünsche zu teilen. Diese kranken Fantasien wollen sie endlich in die Realität umsetzen und eine Frau zu Tode foltern...

Eine verstörende Geschichte, die selbst den hartgesottensten Fan von extremem Horror zum Winseln bringen wird.
Verkauf ab 18 Jahre.
(Quelle: FESTA Verlag)

 

Meine Meinung


Eine verstörende Reise in menschliche Abgründe


Es war mal wieder Zeit für einen Extremband und tatsächlich entstand diese Lektüre im Rahmen einer SuB-Abbau-Challenge, denn in meinen Regalen warten noch so viele Bücher aus dem Festa Verlag darauf, gelesen zu werden. Ganz spontan hat sich die liebe July angeschlossen, und gemeinsam haben wir diesen Extremband regelrecht „gerockt“.

Inhaltlich dreht sich alles um das Darknet. Ein Ort, der mir persönlich sehr suspekt ist und bei dem man sich unweigerlich fragt: Ist dort wirklich jemand sicher? Der Autor entwirft ein Szenario, das einerseits völlig realitätsfern wirkt, andererseits aber erschreckend nah erscheint, weil das Internet eben vieles möglich macht. Genau das sorgt für eine konstante unterschwellige Beklemmung.

Im Zentrum steht eine Gruppe reicher Menschen, die sich im Verborgenen zusammenschließen, um ihre sadistischen und zutiefst perversen Fantasien auszuleben: Eine Frau soll entführt und zu Tode gefoltert werden, gegen Bezahlung. Initiiert wird dieses grausame Vorhaben vom Ehepaar Marilyn und Bruce Keller, die eine Art Auktion organisieren und Interessenten anwerben. Unterstützt werden sie von vier ehemaligen Soldaten, von uns liebevoll „die vier Muskeltiere“ genannt, die potenzielle Opfer auswählen und schließlich entführen sollen.

Ins Visier geraten die beiden Frauen Sarah und Jennifer. Sarah arbeitet im Nachtdienst in einer Tierklinik in New York, lebt mit ihrem Kater Gizmo zusammen und befindet sich gerade in einer frischen Datingphase. Jennifer hingegen ist sportlich, alleinstehend und arbeitet als Finanzberaterin. Schnell wird klar: Es wird nicht nur ein Opfer geben. Besonders schockierend fand ich, dass dem eigentlichen Plan bereits eine „Testentführung“ und ein „Testmord“ vorausgehen, ein Element, das perfekt in das Extremhorror-Genre passt und die Skrupellosigkeit der Täter nochmals unterstreicht.

Für ihr Vorhaben rüstet das Ehepaar sogar sein eigenes Haus um: schallisoliert, vorbereitet auf alles, was bei einer solchen „Veranstaltung“ anfallen könnte, inklusive aller denkbaren „unschönen Details“. Die Foltermethoden, denen die Frauen ausgesetzt werden, sind unterschiedlich und nichts für schwache Nerven. Ob und wie die Geschichte für die beiden endet, möchte ich an dieser Stelle bewusst offenlassen.

Was mich besonders beschäftigt hat, war die Grundidee des Buches: Einerseits wirkt sie völlig überzogen, andererseits eben doch erschreckend plausibel. Genau dieser Zwiespalt macht den eigentlichen Horror aus. Der Ekelfaktor sowie der Schmerzfaktor sind definitiv vorhanden. Der Autor hat sich hier einiges einfallen lassen.
____________________________________________________________________

Am Ende blieb für mich allerdings auch einiges offen. Nicht alle Teilnehmer dieses perfiden „Events“ werden näher vorgestellt, sodass ich ständig auf eine überraschende Wendung gehofft habe, die letztlich ausblieb. Sehr berührt hat mich zudem die Perspektive der Familien der Opfer, sie suchen verzweifelt nach ihren Töchtern, während der Leser längst weiß, was geschehen ist. Dieses Wissen macht das Ganze umso tragischer.

Sprachlich war ich positiv überrascht: Der Schreibstil ist sehr flüssig, sodass ich das Buch trotz der schweren Thematik schnell durchgelesen habe. Gleichzeitig fand ich auch die Hintergründe zum Autor ziemlich gruselig, mehr dazu findet ihr im Abschnitt „Der Autor“. Vielleicht erklärt das auch, warum bisher nicht mehr von ihm erschienen ist.


Mein Fazit

Insgesamt ein Extremhorror-Roman, der seinem Namen gerecht wird: schockierend, verstörend und definitiv nichts für zarte Gemüter, aber gerade deshalb ein Buch, das im Gedächtnis bleibt.

Der Autor

Gil Valle ist ein ehemaliger New Yorker Polizist. Als "Cannibal Cop" wurde er weltweit bekannt. Der erste und einzige Fall, in dem ein Mensch nicht für eine Tat, sondern für seine Fantasien verurteilt wurde.
2012 wurde er verhaftet. Seine Frau hatte seine Chats aus einem Forum gefunden, das sich sexuellen Fantasien mit Mord und Kannibalismus widmete. Angeblich habe er geplant, seine Frau und 100 andere zu entführen, zu foltern und zu essen...
Gil beteuerte immer wieder, das alles seien bloß Hirngespinste. Dennoch: Er verbrachte fast zwei Jahre im Gefängnis, ehe er endlich freigesprochen wurde. Seine Frau ließ sich scheiden, er darf seine Tochter nicht mehr sehen und aus dem Polizeidienst wurde er unehrenhaft entlassen.

Inzwischen hat Gil mehrere Horrorromane veröffentlicht und die Erinnerung "Raw Deal: The Untold Story of NYPD's Cannibal Cop", worin er die Frage stellt, ab wann ein Gedanke als Straftat gilt. Im Internet findet man viele Berichte über den Fall, u. a. den Dokumentarfilm "Thought Crimes".

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzverordnung gelesen hast und die Speicherung deiner Daten akzeptierst.