Mittwoch, 28. Januar 2026

[HÖREINDRUCK] Die Bücher, der Junge und die Nacht | Band 1 | Historischer Roman

Titel: Die Bücher, der Junge und die Nacht | Autor: Kai Meyer
Verlag: Argon Verlag | Hördauer: 15 Stunden und 51 Minuten
Reihe: Band 1/4 der Reihe um "Die Geheimnisse des Graphischen Viertels"
Kaufen: E-Book TB / HB
Gelesen von: Simon Jäger, Maria Koschny und Johann von Bülow


Inhaltsangabe


Über die Kostbarkeit der Bücher.

Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos.

Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen. Als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern.
(Quelle: Droemer Knaur)

Meine Meinung



Wenn Bücher die Zeit überdauern


Manchmal stolpert man genau zum richtigen Zeitpunkt über das richtige Buch. Nachdem ich bei Weltenwanderer die Rezension zu "Die Bibliothek im Nebel" gesehen habe, hat es mir dieses Buch wieder in Erinnerung geholt. Und manchmal brauch es genau das. Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich mir vorab doch noch dieses Hörbuch auf die Ohren gesetzt habe, denn ursprünglich ist es der erste Teil der Reihe um das Graphische Viertel in Leipzig. Diesen Zyklus hatte ich gar nicht richtig auf dem Schirm. Umso schöner ist die Erkenntnis: Die Bände lassen sich problemlos unabhängig voneinander lesen. Hätte ich direkt mit Band 2 begonnen, wäre mir jedoch diese großartige Geschichte entgangen – und das wäre wirklich schade gewesen. 

Besonders begeistert hat mich die Hörbuchumsetzung, die mit drei unterschiedlichen Sprechern arbeitet – eine Entscheidung, die perfekt zu den verschiedenen Zeitebenen passt:

Simon Jäger liest den Erzählstrang von 1933,

Maria Koschny übernimmt 1943,

Johann von Bülow führt durch das Jahr 1971.

Alle drei haben mich überzeugt und den jeweiligen Zeitebenen eine ganz eigene Stimmung verliehen. Das Hörbuch wirkt dadurch sehr lebendig und abwechslungsreich.

Die Geschichte entfaltet sich auf drei Zeitebenen, die mich alle gleichermaßen fesseln konnten:
Die frühen Jahre vom Buchbinder Jakob Steinfeld (1933), der sich in eine Frau verliebt und deren Leben fortan miteinander verbunden sind. Ein wahrer Freund und absoluter Mehrwert in dieser Zeitebene war Grigori Gomorov, eigentlich Gärtner, aber anderseits soviel mehr.
Die Kriegsjahre mit der erschütternden Bombardierungsnacht von Leipzig (1943)
und der Strang um Robert Steinfeld und seine Kollegin Marie (1971), die nach der Besichtigung einer Schlossbibliothek in der Welt der Bücher und der Vergangenheit recherchieren. Vergangenheit und Gegenwart greifen dabei wunderbar ineinander.

Was mir besonders gut gefallen hat: Leipzig wird unglaublich greifbar. Man merkt der Geschichte an, wie sorgfältig sowohl die historischen Hintergründe als auch die Stadt selbst recherchiert wurden. Ich konnte mir Leipzig zu allen drei Zeiten sehr gut vorstellen – Straßen, Gebäude, das Graphische Viertel, die Atmosphäre.
Da ich nächstes Wochenende selbst in Leipzig sein werde, weiß ich jetzt schon, dass ich die Augen besonders offen halten werde: Vielleicht erkenne ich die eine oder andere Straße wieder – und ganz sicher werde ich Antiquariate nun mit völlig anderen Augen betrachten.

Der Einstieg ins Buch ist direkt dramatisch und blieb mir bis zum Ende im Kopf. Manchmal erinnert man sich am Ende einer Geschichte so gar nicht mehr an den Prolog. 
Ein kleiner Junge ist eingesperrt, es brennt, Rauch und Angst liegen in der Luft – bis zur Rettung in letzter Sekunde. Ein mysteriöser Mann, ein Buch, das aus der Feuerbrunst gerettet wird und eine Flucht, der ich sehr gern gelauscht habe.

Im Mittelpunkt stehen die Geheimnisse der Buchbinderfamilien Steinfeld und der Verlegerfamilie Pallandt, die sich nach und nach offenbaren. Diese langsame Enthüllung, das Zusammensetzen der Puzzleteile über Generationen hinweg, empfand ich als äußerst spannend. Es war eine mitreißende Suche nach der Wahrheit, bei der ich bis zum Schluss dranbleiben wollte.

Neben dem großen Thema Bücher und der Liebe zum gedruckten Buch greift Kai Meyer zudem ein weiteres Thema auf, das mich seit Jahren sehr interessiert: Lebensborn. Dieses dunkle Kapitel der Geschichte ist klug und eindringlich in die Handlung eingebettet und verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe.

Ich muss gestehen, es ist mein erstes Buch von Kai Meyer. Eigentlich gehört dieser Autor für mich in ein Genre der Buchwelt, in dem ich mich so gut wie nie herumtreibe. Aber wundert euch nicht, denn ich habe auch bereits den zweiten Band der Reihe gehört und mache mich gleich im Anschluss an diese Rezension.


Fazit

"Die Bücher, der Junge und die Nacht" ist für mich weit mehr als ein Roman über Bücher. Es ist eine atmosphärisch dichte, gut recherchierte und emotional berührende Geschichte und hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt.

Klare Lese- und Kaufempfehlung – besonders für alle, die Bücher über Bücher lieben, sich für Geschichte interessieren und gerne in stimmungsvolle Erzählungen eintauchen.
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Der Autor

Kai Meyer hat rund siebzig Romane veröffentlicht, von denen viele auf die SPIEGEL-Bestsellerliste gelangten. Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet.

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