Montag, 4. Mai 2026

[HÖREINDRUCK] Die Besucher | Horror

Titel: Die Besucher | Autor: Markus Kliewer
Verlag: der Hörverlag | Hördauer: 9 Stunden und 15 Minuten
Kaufen: E-Book TB / HB
Gesprochen von: Judith Toth, Shenja Lacher, Nora Schulte und Leonard Hohm


Inhaltsangabe

 Sie klingelten unangemeldet an einem kalten Freitagabend. Die Fremden vor Eve Palmers Haustür machten eigentlich einen harmlosen Eindruck. Doch die junge Frau war wie immer vorsichtig, spähte durch die Jalousien und überlegte, ob sie die Tür öffnen sollte... Perfekt für Fans von Stephen King, Ruth Ware oder Sarah Pinborough.
 Eve und ihre Lebensgefährtin Charlie können ihr Glück kaum fassen: Das alte Haus in einer abgelegenen Gegend von Oregon ist ein echtes Schnäppchen, perfekt, um es zu renovieren und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Nachbarn gibt es kaum, und auch Touristen verirren sich nicht nach 3709 Heritage Lane. Deshalb ist Eve überrascht, als es eines Abends klingelt: Ein Mann steht mit seiner Familie vor der Tür. Er habe früher hier gewohnt, sei auf der Durchreise und wolle seiner Frau und den drei Kindern das Haus zeigen. Zögernd lässt Eve, die allein zu Hause ist, die Fremden herein. Dann geschieht Seltsames. Die kleine Tochter der Besucher ist plötzlich unauffindbar, das Haus selbst scheint in Details merkwürdig verändert - oder bildet sich Eve das nur ein? Und die Familie macht keine Anstalten, wieder zu gehen. Ein Albtraum beginnt...
Der Roman wird mit Blake Lively in der Hauptrolle für Netflix verfilmt.

(Quelle: Buchhandlung Albrecht)

Meine Meinung



Wenn Fremde bleiben


Das Hörbuch "Die Besucher" von Markus Kliewer hat mich vor allem deshalb neugierig gemacht, weil es in der Bookstagram-Szene schon länger für Aufmerksamkeit sorgt. Da ich selbst eher wenig in der englischsprachigen Buchwelt unterwegs bin, hatte ich dieses Buch vorher nicht auf dem Schirm, umso gespannter war ich, mir die Geschichte als Hörbuch anzuhören.

Die Handlung dreht sich um ein junges Paar, Eve und Charlie, die sich ein abgelegenes Haus in der Heritage Lane in Oregon kaufen. Allein der Name der Straße verspricht schon eine gewisse Atmosphäre. Der Einstieg ins Buch fällt allerdings recht knapp aus: Die Vorgeschichte, wie die beiden zu dem Haus gekommen sind, sowie erste Eindrücke zu Setting und Charakteren werden nur angerissen. Für mich hätte dieser Teil gern etwas ausführlicher sein dürfen, um eine stärkere Grundlage zu schaffen.

Die eigentliche Handlung nimmt Fahrt auf, als Charlie das Haus verlässt und Eve allein zurückbleibt und es plötzlich klingelt. Eine fremde Familie steht vor der Tür und bittet darum, das Haus betreten zu dürfen, da der Vater dort früher gewohnt habe. Während Charlie die Situation vermutlich direkt beendet hätte, zeigt sich Eve als eher vorsichtiger, unsicherer und auch ängstlicher Charakter. Trotz ihres unguten Gefühls lässt sie die Familie schließlich ins Haus. Eine Entscheidung, die den Beginn eines zunehmend verstörenden Geschehens markiert.

Ab diesem Moment häufen sich die merkwürdigen Ereignisse: ein verschwundenes Kind, sich verändernde Räume, unheimliche Details wie Einritzungen oder symbolische Hinweise. Besonders der Keller als klassisches Horrormotiv kommt hier ebenfalls zum Einsatz. Der Autor spielt stark mit Wahrnehmung, Realität und Einbildung, was gut zum Genre passt, auch wenn klassische, direkte Horrormomente eher im Hintergrund bleiben.

Ein interessanter Aspekt sind die eingeschobenen „Dokumente“, die von vielen Leserinnen und Lesern eher kritisch gesehen wurden. Im Hörbuch hingegen empfand ich diese als echtes Highlight. Sie wirkten wie zusätzliches Material, fast schon wie Akteneinblicke, und haben das Erlebnis für mich sogar bereichert.

Das Hörbuch wird von mehreren Sprecherinnen und Sprechern umgesetzt, was insgesamt für Abwechslung sorgt, auch wenn mir das im Nachhinein gar nicht mehr so präsent war. Erzählt wird überwiegend aus der Perspektive von Eve, was gleichzeitig einer meiner Kritikpunkte ist: Mit der Zeit wirkt sie zunehmend schwach und wenig greifbar, während Charlie als eigentlich stärkere Figur zu wenig Raum bekommt. Auch die fremde Familie bleibt lange schwer einzuordnen, was zwar Spannung erzeugt, aber stellenweise auch Distanz schafft.

Das Ende hat mich letztlich etwas ratlos zurückgelassen. Ich bin grundsätzlich kein großer Fan von offenen oder sehr interpretativen Abschlüssen, hier war es mir stellenweise zu verwirrend, um die Geschichte für mich rund abschließen zu können.

Fazit

Insgesamt ist "Die Besucher" ein Buch, das stark mit Atmosphäre, Unsicherheit und psychologischen Elementen spielt, dabei aber bewusst auf klare Antworten verzichtet. Für mich war es ein interessantes, aber nicht vollständig überzeugendes Hörerlebnis.

Ein Hörbuch, das definitiv die Meinungen spalten dürfte: spannend in der Idee, aber nicht in allen Punkten stimmig umgesetzt.
Weitere Meinungen zum Buch

Der Autor

Marcus Kliewer ist Schriftsteller und Stop-Motion-Animator. Sein Debütroman "Die Besucher" begann als fortlaufende Kurzgeschichte auf Reddit, wo sie im NoSleep-Forum, das achtzehn Millionen Mitglieder zählt, den Preis für die unheimlichste Geschichte des Jahres gewann. Die Filmrechte wurden von Netflix erworben. 
Der Autor lebt in Vancouver, Kanada.
© Penguin.de

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