
Inhaltsangabe
(Quelle: Buchhandlung Albrecht)
Meine Meinung
Wenn Fremde bleiben
Das Hörbuch "Die Besucher" von Markus Kliewer hat mich vor allem deshalb neugierig gemacht, weil es in der Bookstagram-Szene schon länger für Aufmerksamkeit sorgt. Da ich selbst eher wenig in der englischsprachigen Buchwelt unterwegs bin, hatte ich dieses Buch vorher nicht auf dem Schirm, umso gespannter war ich, mir die Geschichte als Hörbuch anzuhören.
Die Handlung dreht sich um ein junges Paar, Eve und Charlie, die sich ein abgelegenes Haus in der Heritage Lane in Oregon kaufen. Allein der Name der Straße verspricht schon eine gewisse Atmosphäre. Der Einstieg ins Buch fällt allerdings recht knapp aus: Die Vorgeschichte, wie die beiden zu dem Haus gekommen sind, sowie erste Eindrücke zu Setting und Charakteren werden nur angerissen. Für mich hätte dieser Teil gern etwas ausführlicher sein dürfen, um eine stärkere Grundlage zu schaffen.
Die eigentliche Handlung nimmt Fahrt auf, als Charlie das Haus verlässt und Eve allein zurückbleibt und es plötzlich klingelt. Eine fremde Familie steht vor der Tür und bittet darum, das Haus betreten zu dürfen, da der Vater dort früher gewohnt habe. Während Charlie die Situation vermutlich direkt beendet hätte, zeigt sich Eve als eher vorsichtiger, unsicherer und auch ängstlicher Charakter. Trotz ihres unguten Gefühls lässt sie die Familie schließlich ins Haus. Eine Entscheidung, die den Beginn eines zunehmend verstörenden Geschehens markiert.
Ab diesem Moment häufen sich die merkwürdigen Ereignisse: ein verschwundenes Kind, sich verändernde Räume, unheimliche Details wie Einritzungen oder symbolische Hinweise. Besonders der Keller als klassisches Horrormotiv kommt hier ebenfalls zum Einsatz. Der Autor spielt stark mit Wahrnehmung, Realität und Einbildung, was gut zum Genre passt, auch wenn klassische, direkte Horrormomente eher im Hintergrund bleiben.
Ein interessanter Aspekt sind die eingeschobenen „Dokumente“, die von vielen Leserinnen und Lesern eher kritisch gesehen wurden. Im Hörbuch hingegen empfand ich diese als echtes Highlight. Sie wirkten wie zusätzliches Material, fast schon wie Akteneinblicke, und haben das Erlebnis für mich sogar bereichert.
Das Hörbuch wird von mehreren Sprecherinnen und Sprechern umgesetzt, was insgesamt für Abwechslung sorgt, auch wenn mir das im Nachhinein gar nicht mehr so präsent war. Erzählt wird überwiegend aus der Perspektive von Eve, was gleichzeitig einer meiner Kritikpunkte ist: Mit der Zeit wirkt sie zunehmend schwach und wenig greifbar, während Charlie als eigentlich stärkere Figur zu wenig Raum bekommt. Auch die fremde Familie bleibt lange schwer einzuordnen, was zwar Spannung erzeugt, aber stellenweise auch Distanz schafft.
Fazit
Insgesamt ist "Die Besucher" ein Buch, das stark mit Atmosphäre, Unsicherheit und psychologischen Elementen spielt, dabei aber bewusst auf klare Antworten verzichtet. Für mich war es ein interessantes, aber nicht vollständig überzeugendes Hörerlebnis.
Der Autor


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