Montag, 15. April 2024

[REZENSION] Trophäe | Roman

Titel: Trophäe | Autorin: Gaea Schoeters
Verlag: Paul Zsolnay Verlag | Seitenanzahl: 256 Seiten 
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Inhaltsangabe


Gaea Schoetersʼ preisgekrönter Roman ist von einer außerordentlichen erzählerischen Wucht. Die Tiefenschärfe, mit der sie die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt.

Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe. Zunächst ist Hunter geschockt, aber als er die jungen Afrikaner beim flinken Jagen beobachtet... 
Ein Roman von radikaler Konsequenz.

(Quelle: Hanser Literaturverlage)


Meine Meinung


Sprachgewaltig und moralisch an die Grenzen führend



Als ich diese Leserunde bei LovelyBooks entdeckt hatte, musste ich tatsächlich einige Stunden nachdenken, ob ich mich diesem Abenteuer stellen kann, denn von vornherein bin ich total gegen das Thema Jagd und vor allem bezogen auf die Trophäenjagd in Afrika. Aber die ersten Meinungen um das Buch und um das Können der Autorin hatten mich einfach zu neugierig gemacht, so dass ich mich beworben habe, auch Glück hatte und das Buch gemeinsam mit anderen Lesen zu können.

Die ersten Seiten und ich war mir sofort sicher, dass mir Hunter, welcher mit vollem Namen übrigens Hunter White heißt, unheimlich unsympathisch ist.
Hunter White, ob die Autorin diesen Namen gewählt hat, damit sich weiße Jäger angesprochen fühlen, ich weiß es nicht. In der LR fanden viele den Namen unpassend, mir war es recht. Hat mich nicht gestört.

Aber es war nicht nur Hunter, der stolz erzählt, dass er die Großwildjagd mit seiner Doppelbüchse.577 Nitro Express, antreten wird. Mit der gleichen Waffe soll auch Hemingway damals ein Nashorn und mehrere Löwen erschossen haben. Auch seine Frau, die gefühlt der Ursprung dieser Trophäenjagd ist, hat mir mächtig auf den Magen geschlagen. Ein Mann der seine Frau mit Teilen eines getöteten Tieres beschenkt.
Der werten Dame fehlt noch ein Nashorn in ihrer Sammlung, um die Big Five zu vervollständigen und so machte sich ihr Ehemann Hunter auf nach Afrika zu seinem Freund Van Heeren, um das fehlende Nashorn mit nach Hause zu bringen.
© Wikipedia

"Denn nur er, Hunter, und niemand anderes steht ganz oben in der Nahrungskette." (S. 18)

In Afrika selbst kann ich bereits das erste Mal an meine Grenze und hier spreche ich besonders die moralische an. Jagen funktioniert für mich nicht. Aber einige Gespräche zwischen Hunter und Van Heeren stimmten mich nachdenklich und zeigten mir, dass ich das "System" der Trophäenjagd eigentlich gar nicht kenne.

"Nur dank der sündhaft teuren Jagdlizenzen kann in Ländern wie diesem der Artenschutz gefördert werden, denn nur das, was von wirtschaftlichem Wert ist, ist es wert, beschützt zu werden." (S. 29)

Denn es stimmt, ich habe keine Ahnung, wohin das Geld fließt, welches die reichen Jäger zahlen müssen, um sich eine Trophäe mit nach Hause nehmen zu dürfen.
Dieses Thema wird mich auch nach diesem Buch noch eine Weile beschäftigen, ich werde mit Sicherheit noch einiges Nachlesen oder vielleicht sogar andere Lektüre zu diesem Thema finden. Hunter legt es im Buch folgendermaßen aus:
"Ethik, hatte Hunter gelernt, hat überall auf der Welt die gleiche Farbe: die des Dollars. 
Ob man das gut findet oder nicht, die Trophäenjagd ist die einzige funktionierende Form des Naturschutzes und die einzige Überlebenschance für diese Spezies." (S. 29f.)

Aber die Autorin bezieht sich in ihren Roman nicht nur auf das Thema Trophäenjagd.
Auch die Landschaft, die Flora und Fauna kommt nicht zu kurz. Und vor allem hier kann sie den Leser mit intensiven und tiefgreifenden Beschreibungen förmlich in das Geschehen hineinziehen. Fern ab von dem geplanten Nashorn, um seine Big Five voll zu bekommen, hat Hunter auch einige andere tierische Begegnungen. Einige davon empfand ich als interessant, andere als unheimlich gefährlich. Und ja, ich habe mir parallel zum Lesen bzw. Auftauchen eines afrikanischen Tieres im Buch, das Tier durch die Eingabe im Internet immer visuell vor Augen geführt. Dies hatte für mich nochmal eine ganz andere Wirkung beim Weiterlesen.

"Ausdauer ist der Schlüssel zur erfolgreichen Jagd, denn der Mensch hat dem Wild gegenüber von Natur aus einen Nachteil: Kein einziges anderes Raubtier verbringt seine Tage im Büro, um dann im Urlaub seiner Beute hinterherzurennen." (S. 21f.)

Dann kam für mich der Umschwung. Van Heeren brachte auf einmal die Big Six ins Spiel und hier war ich raus. In keinerlei Form konnte ich Hunters Gedankengänge und Empfindungen nachvollziehen.
Diese Wende in der Story, welche mit der misslungenen Jagd nach dem Nashorn begann, war für mich nicht nötig. Die Autorin hat zuvor bereits genug moralische Fakten, die zum Nachdenken anregen angesprochen. Das Ende selbst, war mir zu wirr, dennoch bin ich mit dem Ausgang des Romans zufrieden.


Fazit

Für einen Austausch zu diesem sehr schwierigen Thema empfand ich die LR bei LovelyBooks beinahe zu groß. Hier hätte meiner Meinung nach ein Austausch in einer kleineren Gruppe noch intensivere Spuren hinterlassen.
Dennoch kann ich eine Leseempfehlung aussprechen, für alle, die sich genauso überraschen lassen wollen, wie ich, was in diesem Buch alles behandelt wird.
Der Stil der Autorin ist meiner Meinung nach speziell, aber im positiven Sinn.
Sie nutzt Wörter auf eine ganz besondere Art, um Dinge zu beschreiben.
Was man aufgrund dieses anspruchsvollem Schreibstils und auch aufgrund der Thematik bedenken sollte, ist, dass man bei diesem Roman vollste Konzentration beim Lesen benötigt. Dieses Buch liest sich nicht einfach weg.

Die Autorin


Gaea Schoeters, geboren 1976, ist eine flämische Autorin, Journalistin, Librettistin und Drehbuchautorin. 2012 hat sie den Großen Preis Jan Wauters für ihren kreativen Umgang mit Sprache gewonnen. Für Trophäe wurde sie mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet. Der Roman wurde von der niederländischen Presse sehr positiv besprochen. 2024 ist ihr Roman Trophäe, aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, bei Zsolnay erschienen.
© Sebastien Van Malleghem

2 Kommentare:

  1. Liebe Andrea,

    ich habe das Buch eben beendet und ich bin noch ganz baff - und hier und her gerissen. Sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen, die Beschreibeungen und auch die Atmosphäre, das fand ich wirklich großartig.
    Moralisch und ethisch finde ich das Buch äußerst schwierig - sowohl das Trophäenmjagen an sich, aber dann auch die "big six".
    Ich habe das Buch für einen Lesekreis vorgeschlagen - da bin ich schon sehr gespannt über den Austausch.

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    1. Ups - zu früh abgeschickt. Wollte wenigstens noch Grüße hinterlassen. ;-)

      LG Sabine

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