Samstag, 6. Juni 2026

[HÖREINDRUCK] Dublin- Murder- Reihe | Krimi

Vor meinem Irland-Urlaub wollte ich zumindest hörbuchtechnisch schon einmal auf die grüne Insel reisen. Da diese Reihe von Tana French schon länger in meinem Regal stand, dachte ich mir: Erlöse ich die Bücher doch endlich mal vom SuB. 
Nun ja, zumindest theoretisch. Denn wie sich herausstellte, waren Band 2–4 gar nicht auf meinem SuB gelistet. Also habe ich im Mai vier Hörbücher gehört, aber der SuB schwindet trotzdem nicht. Ich arbeite weiter daran. 😅

Ganz ehrlich: Allzu viel erwartet hatte ich von der Reihe nicht und genau deshalb wurde ich positiv überrascht. Zum einen sorgen wechselnde Ermittler dafür, dass keine Langeweile aufkommt, zum anderen wurde jedes Hörbuch von einer anderen Stimme eingesprochen. Wobei wir wohl festhalten können: David Nathan ist nur schwer zu toppen.

Die Reihe hatte für mich definitiv ihren Reiz, und nachfolgend gehe ich kurz auf jedes einzelne Hörbuch ein. Vorab möchte ich noch sagen, dass ich alle vier Hörbücher in der gekürzten Variante gehört habe.

Grabesgrün
gelesen von David Nathan

David Nathan. Wow. Mehr muss man eigentlich kaum sagen. Seine Stimme passte für mich perfekt zu diesem düsteren und atmosphärischen Fall. Zu Beginn fühlte ich mich durch die Ereignisse von 1984, als drei Kinder in einem Wald verschwanden, sogar kurz an Stephen King erinnert. Doch schnell wurde klar, dass Tana French hier ihren ganz eigenen Stil gefunden hat.

Für ein Debüt hat mich die Autorin wirklich beeindruckt. Ihr Schreibstil ist sehr bildhaft und schafft eine dichte Atmosphäre. Im Mittelpunkt steht Rob Ryan, der als Kind als einziger von drei Kindern aus dem Wald von Knocknaree zurückkehrte, traumatisiert und ohne Erinnerung daran, was mit seinen Freunden geschah. Jahre später arbeitet er unter dem Namen Rob Ryan bei der Dubliner Mordkommission und wird gemeinsam mit seiner Kollegin Cassie Maddox zu einer Kinderleiche gerufen. Das zwölfjährige Mädchen wurde wie auf einem Opferaltar inmitten einer Ausgrabungsstätte abgelegt, genau an dem Ort, an dem Rob einst seine Freunde verlor.

Das Ermittlerduo hat mir sehr gut gefallen, auch wenn die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat. Die Ermittlungen führen tief in das familiäre Umfeld des Opfers und offenbaren immer neue Manipulationen, Geheimnisse und Abgründe.

Besonders beeindruckt hat mich das Ende. Tana French hatte den Mut, nicht alle Fragen zu beantworten und auf ein klassisches Happy End zu verzichten. Gerade das machte die Geschichte für mich umso stärker. Ich habe den Fall sehr gern verfolgt und wurde von diesem Auftakt der Reihe positiv überrascht.
(4 Sterne)

Totengleich
gelesen von Maren Eggert

Bei "Totengleich" war ich zunächst ziemlich überrascht, dass die Reihe nicht mit der bisherigen Ermittlerkonstellation fortgeführt wird. Rob Ryan ist Geschichte, stattdessen steht nun Cassie Maddox im Mittelpunkt, unterstützt von Detektiv Frank Mackey.

Bereits die Inhaltsangabe sprach mich nicht ganz so sehr an wie die von "Grabesgrün". Die Vorstellung, dass eine Ermordete Cassie zum Verwechseln ähnlich sieht und zudem ihren ehemaligen Undercovernamen trägt, erschien mir doch sehr konstruiert. Selbst nach vielen Hörstunden und mit zunehmendem Einblick in den Fall fiel es mir schwer, diese Ausgangslage wirklich glaubhaft zu finden.

Nach den Ereignissen von Knocknaree hat sich Cassie in das Dezernat für Häusliche Gewalt versetzen lassen. Als die junge Frau Lexie Madison ermordet aufgefunden wird, erhält Cassie die Möglichkeit, in deren Rolle zu schlüpfen. Sie zieht in die Wohngemeinschaft der Toten ein, übernimmt deren Identität und versucht herauszufinden, wer Lexie getötet hat.

Erneut gelingt es Tana French, ein Netz aus Freundschaften, Geheimnissen, Lügen und Intrigen zu spinnen, in das Cassie immer tiefer hineingezogen wird. Der Kriminalfall rückte für mich dabei zeitweise sogar etwas in den Hintergrund, während die Dynamik innerhalb der Wohngemeinschaft und die Beziehungen der Figuren zueinander immer mehr Raum einnahmen.

Maren Eggert hat das Hörbuch sehr passend eingesprochen und die Stimmung der Geschichte gut transportiert. Allerdings konnte mich der Inhalt insgesamt nicht wirklich fesseln, sodass mir auch ihre Sprecherleistung vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Für mich war "Totengleich" insgesamt schwächer als "Grabesgrün" und bislang der schwächste Band der Reihe.
(3 Sterne)

Sterbenskalt
gelesen von Dietmar Wunder

Mit "Sterbenskalt" hat Tana French meinen Nerv voll getroffen. Bereits nach kurzer Zeit war ich in der Geschichte gefangen. Einen großen Anteil daran hatte auch Dietmar Wunder, der mich mit seiner Stimme direkt in diese raue, kaltherzige und oftmals ausweglose Welt hineingezogen hat.

Im Mittelpunkt steht diesmal Frank Mackey, den ich bereits in "Totengleich" kennenlernen durfte. Als plötzlich die Habseligkeiten seiner ersten großen Liebe Rosie auftauchen, muss er an den Ort seiner Kindheit zurückkehren: Faithful Place. Vor 22 Jahren wollte er gemeinsam mit Rosie dem Viertel, seiner Familie und der Perspektivlosigkeit entkommen. Doch Rosie erschien nie zum vereinbarten Treffpunkt und Frank glaubte sein Leben lang, sie habe ihn einfach verlassen.

Für mich hat dieser Band den irischen Flair der Reihe perfekt eingefangen. Die Geschichte spielt in Faithful Place, einem Teil der Liberties in Dublin, mitten in der Stadt und doch wie eine eigene Welt. Tana French zeichnet diesen Ort so lebendig und eindringlich, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch die engen Straßen zu laufen. Auch optisch ist dies mein Lieblingscover der Reihe, weil es genau die Atmosphäre einfängt, die ich beim Hören vor Augen hatte.

Besonders gefallen hat mir, wie persönlich die Geschichte wird. Frank ist kein distanzierter Ermittler, sondern selbst tief in die Ereignisse verwickelt. Gleichzeitig nimmt seine Tochter Holly eine wichtige Rolle ein und sorgt für einige der stärksten Momente des Buches.

An diesem Hörbuch mochte ich tatsächlich alles: die Figuren, die Atmosphäre, die Ermittlungen und die emotionale Wucht der Geschichte. Das Ende ist unheimlich traurig, aber genau deshalb so eindrucksvoll. Für mich ist "Sterbenskalt" das Highlight der Reihe. Tatsächlich überlege ich sogar, ob ich irgendwann noch einmal zur ungekürzten Buchausgabe greife und die Geschichte lesend neu entdecke.
(5 Sterne)

Schattenstill
gelesen von Uve Teschner

Mit "Schattenstill" übernimmt erneut ein neuer Ermittler die Hauptrolle: Mike „Rockey“ Kennedy, unterstützt von seinem jungen Assistenten Richie. Nach den Ereignissen in "Sterbenskalt" war ich besonders neugierig auf ihn, da er dort nicht unbedingt einen sympathischen Eindruck hinterlassen hatte. Umso spannender fand ich es, ihn nun selbst bei der Arbeit zu begleiten.

Der Fall beginnt mit einem grausamen Verbrechen: Ein Vater und seine beiden Kinder werden tot in ihrem Haus aufgefunden, die Mutter überlebt schwer verletzt und ohne Erinnerung an die Geschehnisse. Das Haus war von innen verschlossen, überall finden sich rätselhafte Löcher in den Wänden, Kameras und Babyphones überwachen nahezu jeden Raum. Was ist hier passiert?

Während Mike Kennedy den Täter scheinbar schnell ausgemacht hat, kommen seinem Assistenten Richie zunehmend Zweifel. Die unterschiedlichen Sichtweisen sorgen für Spannungen innerhalb des Ermittlerduos und verleihen den Ermittlungen eine zusätzliche Dynamik, die mir sehr gefallen hat.

Nach dem lebendigen und dicht besiedelten Faithful Place aus Band 3 führt uns Tana French diesmal nach Broken Harbour, eine gespenstische Neubausiedlung an der irischen Küste, geprägt von Leerstand, gescheiterten Träumen und fehlendem Gemeinschaftsgefühl. Die Atmosphäre dieses Ortes ist bedrückend und zieht sich wie ein kalter Wind durch die gesamte Geschichte.

Besonders gelungen fand ich, dass Mike Kennedy in diesem Fall nicht nur als Ermittler gefordert wird, sondern auch persönlich an seine Grenzen gerät. Seine Überzeugungen, seine Methoden und sein Selbstbild werden immer wieder auf die Probe gestellt.

Auch dieser Band konnte mich von Anfang bis Ende fesseln und erhält von mir die volle Punktzahl. Zwar punktet "Schattenstill" anders als mein Reihenhighlight "Sterbenskalt", doch die beklemmende Atmosphäre, die vielschichtigen Figuren und der spannende Fall haben mich ebenso überzeugt.
(5 Sterne)
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Band 5, "Geheimer Ort", habe ich nach ungefähr 50 % des Hörbuchs abgebrochen. 
In die Geschichte rund um die Mädchenschule bin ich leider überhaupt nicht hineingekommen. Zu viele Charaktere, zu viele Probleme der Schülerinnen, die mich nicht sonderlich interessiert haben und auch die beiden Ermittler konnten den Band für mich nicht retten. Band 6, "Gefrorener Schrei", hat mich sowohl inhaltlich als auch aufgrund der Bewertungen leider nicht angesprochen. Somit habe ich die Reihe nach Band 4 sozusagen beendet und behalte sie in guter Erinnerung.

Alle Bände dieser Reihe


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