Sonntag, 26. Juli 2026

[Die Buchwelt auf Social Media] Zwischen Leidenschaft, Zeitmangel und Veränderungen


Wer diesen Beitrag liest, dem möchte ich direkt zu Beginn eines sagen: Dies soll kein Angriff auf irgendeine Person oder Plattform sein. Alles, was ich hier schreibe, sind meine ganz persönlichen Beobachtungen aus mittlerweile über zwölf Jahren als Buchbloggerin. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere darin wieder, vielleicht seht ihr manches auch ganz anders. Und genau darüber würde ich mich am Ende des Beitrags gern mit euch austauschen. Für mich persönlich stellt dieser Blogbeitrag eine Art "in Erinnerung schwelgen" dar. Und vielleicht bist auch DU ein Teil davon ❤

Mein Buchblog – mein kleines Zuhause seit 2014

Meinen Buchblog LeseBlick betreibe ich seit 2014. Damals hätte ich niemals gedacht, dass er mich so viele Jahre begleiten würde.

Vor allem hat mir der Blog eines geschenkt: wunderbare Menschen. Über die Jahre ist ein kleiner, aber unglaublich herzlicher Kreis aus Buchbloggerinnen und Buchbloggern entstanden. Viele begleiten mich tatsächlich schon seit den Anfängen. Wir treffen uns immer noch zu Leserunden, gemeinsamen Aktionen oder tauschen uns einfach über Bücher aus. Genau dieses Miteinander ist für mich bis heute das Schönste am Bloggen.

Natürlich hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur die Buchwelt verändert, sondern auch mein eigenes Leben.

Als ich 2014 mit dem Bloggen begann, war ich in einer Beziehung, hatte mich gerade mit einer kleinen Ergotherapiepraxis selbstständig gemacht und wohnte in einer kleinen Wohnung. Mein Alltag bestand neben der Arbeit vor allem aus Freizeit und ein großer Teil davon gehörte dem Lesen.
Viel lesen bedeutete damals auch viel Zeit für den Blog. Rezensionen schreiben, Beiträge vorbereiten, Kommentare beantworten oder bei anderen Blogs vorbeischauen, all das gehörte ganz selbstverständlich dazu.

Heute sieht mein Leben völlig anders aus.
Ich bin inzwischen mit demselben Mann verheiratet (ja, der hat sich gehalten 😉), wir haben eine wundervolle Tochter, wohnen in einem großen Haus mit einem über 3.000 Quadratmeter großen Grundstück und ich leite inzwischen eine Ergotherapiepraxis mit fünf Angestellten. Gleichzeitig bauen wir aktuell noch eine Zweigpraxis auf, wir befinden uns also mitten im Baustellenmodus.

Freizeit?
Die ist inzwischen ziemlich rar geworden.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die neue Praxis, denn dadurch werde ich hoffentlich bald täglich rund 45 Minuten Fahrzeit sparen.
Gelesen wird trotzdem noch, allerdings fast ausschließlich morgens. Während viele sich noch einmal gemütlich umdrehen, klingelt bei mir der Wecker extra früh, damit ich wenigstens ein bisschen Lesezeit für mich habe.
An zwei Tagen in der Woche bin ich außerdem erst gegen 20 Uhr zu Hause. An den übrigen Tagen warten Familie, Haushalt und Garten. Zeit für aufwendige Blogarbeit bleibt da kaum noch.
Und trotzdem möchte ich meinen kleinen Schatz nicht aufgeben.
Denn LeseBlick gehört einfach zu meinem Leben.

Instagram – funktionieren Fotos überhaupt noch?

Natürlich ist auch LeseBlick auf Instagram vertreten. Dort folgen mir aktuell rund 485 Menschen.

Wenn ich heute durch den Entdecken-Bereich scrolle, fällt mir allerdings immer stärker auf, dass klassische Buchfotos kaum noch Reichweite bekommen. Stattdessen dominieren Reels, Videos und bewegte Inhalte.
Ich selbst wollte allerdings nie vor der Kamera stehen oder in Videos sprechen und ehrlich gesagt wird sich daran vermutlich auch nichts ändern.

Ein weiterer Eindruck, den ich habe: Besonders gut scheinen heutzutage Accounts zu funktionieren, die ständig Neuerscheinungen vorstellen und gefühlt ein Rezensionsexemplar nach dem nächsten verschlingen.

Bei mir hat sich das Lesen dagegen ganz anders entwickelt.
Über viele Jahre hat sich ein riesiger SuB angesammelt. Mein Mann sagt immer scherzhaft, ich hätte eigentlich genug Bücher bis an mein Lebensende. Wahrscheinlich hat er gar nicht so Unrecht.
Der Vorteil ist: Ich habe den Platz dafür, tausche viele Bücher und kaufe sehr gerne gebraucht. Dadurch lese ich inzwischen überwiegend ältere Bücher. Natürlich sind auch mal Neuerscheinungen dabei, viele höre ich inzwischen aber eher als Hörbuch.

Manchmal frage ich mich deshalb:
Liegt es vielleicht daran, dass Fotos und Blogbeiträge heute nicht mehr so gut funktionieren? Weil die Bücher, über die ich schreibe, längst keinen Hype mehr auslösen? Weil ich niemanden mehr mit der neuesten Erscheinung neugierig machen kann?
Oder liegt es einfach an den Algorithmen?
Dabei bin ich gar nicht ein eine riesige Reichweite aus.

Denn wenn ich irgendwann 10.000 oder mehr Follower hätte, müsste ich vermutlich meinen Beruf kündigen, in eine kleine Wohnung ziehen, meinen Mann und meine Tochter höchstbietend verkaufen (natürlich nur im übertragenen Sinn 😉) und hätte am Ende nur noch den Druck, ständig neuen Content produzieren zu müssen.

Das wäre nicht mehr mein Leben.
Ich mag es klein.
Ich mag den persönlichen Austausch.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade die kleinen Accounts in der heutigen Social-Media-Welt einfach untergehen.

YouTube – wo sind sie alle geblieben?

Auch YouTube gehört für mich zu den Anfängen meiner Buchblogger-Zeit.
2014 habe ich unglaublich viele Videos geschaut. Besonders gern bei Nerdy Nici, Chrissi, MadameToussaint oder Padi.
Dort habe ich mir Inspiration geholt, neue Bücher entdeckt und mich einfach wohlgefühlt.
Mit den Jahren sind viele dieser Kanäle allerdings ein Stück weit von der Buchwelt weggerückt oder produzieren gar keine Buchvideos mehr.
Heute schaue ich eigentlich nur noch die Videos von Der Buchschnack.

Woran liegt das?

Vielleicht ist es tatsächlich einfach die Zeit.
Ein YouTube-Video dauert meist deutlich länger als ein kurzes Reel auf Instagram oder ein paar Sekunden auf anderen Plattformen.
Vielleicht hat sich einfach unser Medienkonsum verändert.

Facebook – viele Erinnerungen, wenig Zukunft?

Facebook gehört ebenfalls zu den Plattformen, die mich schon sehr lange begleiten.

Damals gab es dort meine Aktion LeseSonntag.
Was war das für eine schöne Zeit ❤
Sonntags trafen sich viele Leserinnen und Leser online, wir tauschten uns aus, lasen gemeinsam und verbrachten einen entspannten Nachmittag miteinander.

Heute fehlt mir dafür schlicht die Zeit.
Und irgendwie fehlt mir auch eine moderne Plattform, auf der solche Aktionen genauso gut funktionieren würden.
Bei Instagram kann ich mir so etwas nur schwer vorstellen.

Warum bin ich trotzdem noch auf Facebook?
Ganz einfach:
Weil dort über die Jahre so viele Kontakte entstanden sind. Bloggerinnen, Blogger, Leserinnen, Leser und Autorinnen und Autoren – viele dieser Verbindungen möchte ich einfach nicht verlieren.

TikTok – einfach nicht meine Welt

Eine Plattform, mit der ich dagegen nie wirklich warm geworden bin, ist TikTok.
Das ist mir persönlich einfach zu groß.
Zu schnell.
Zu international.
Zu laut.
Natürlich verstehe ich, warum viele dort erfolgreich sind und gerade die Buchwelt mit BookTok enorm gewachsen ist.
Für mich selbst fühlt es sich allerdings einfach nicht passend an.
Und deshalb werde ich dort vermutlich auch nie aktiv werden.

Aktive Blogger – was bedeutet das eigentlich?

Passend zu diesem Thema starten Tanja und Leni aktuell eine neue Aktionsseite rund um aktive Blogger.

Eine wirklich schöne Idee, über die ich mich sehr freue.
Gleichzeitig frage ich mich aber auch:
Wann gilt man eigentlich als aktiv?
Ich würde mich selbst gerne noch als aktive Bloggerin bezeichnen.
Nicht, weil ich täglich Beiträge veröffentliche oder überall kommentiere.
Sondern weil mir mein Blog immer noch wichtig ist.
Ich schaffe es meist noch, meine Rezensionen zu schreiben oder meine Aktion "Der Erste Satz" am Leben zu erhalten.
Was dagegen leider viel zu kurz kommt, ist das Kommentieren auf anderen Blogs.
Nicht, weil ich es nicht möchte.
Sondern weil mir dafür häufig einfach die Zeit fehlt.

Trotzdem freue ich mich sehr auf diese neue Bloggerliste, auch wenn ich die ersten Diskussionen darüber bereits mitbekommen habe, ab wann jemand überhaupt als "aktiver Blogger" gilt.

Vielleicht gibt es darauf auch gar keine allgemeingültige Antwort.

Mein Fazit

Die Buchwelt auf Social Media hat sich in den letzten Jahren unglaublich verändert.
Algorithmen bestimmen immer stärker, welche Inhalte gesehen werden. Videos scheinen Fotos zu verdrängen. Neuerscheinungen erzeugen mehr Aufmerksamkeit als ältere Bücher. Gleichzeitig fehlt vielen von uns im Alltag schlicht die Zeit, überall aktiv zu sein.
Und trotzdem glaube ich, dass Buchblogs, kleine Accounts und persönliche Empfehlungen nach wie vor ihren Platz haben.
Vielleicht sind sie nicht mehr die lautesten.
Aber oft sind sie die persönlichsten.
Und genau deshalb möchte ich LeseBlick auch weiterhin erhalten: in meinem Tempo, mit meinen Büchern und mit der Zeit, die mein Leben gerade zulässt.

Denn Lesen soll für mich immer eines bleiben:
Ein Hobby, das Freude macht und kein weiterer Punkt auf einer endlosen To-do-Liste.

Jetzt interessiert mich eure Meinung

Welche Plattformen nutzt ihr heute am liebsten?

Seid ihr zufrieden mit euren Klicks, Kommentaren und dem allgemeinen Austausch?

Und wie steht ihr zur aktuellen Entwicklung der Buchwelt auf Social Media?

Danke für eure Aufmerksamkeit
Andrea ❤❤❤❤

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