Samstag, 22. August 2026

[HÖREINDRUCK] Der Seele weißes Blut | Band 1 | Thriller



Titel
Der Seele weißes Blut (Band 1/4)
Autorin
Sabine Klewe
Hördauer
9 Std. 59 Min.
Gelesen von
Thomas Schmuckert
Link zum Hörbuch
Hörbuch ansehen →

Inhaltsangabe

Nach einer durchzechten Nacht wird Hauptkommissarin Lydia Louis im Morgengrauen zum Tatort gerufen: Eine grauenvoll zugerichtete Frauenleiche, halb im Waldboden eingegraben und zu Tode gesteinigt. Schnell scheint klar: Hier handelt es sich um einen Ehrenmord. Doch das Opfer hat keinen muslimischen Hintergrund. Und wie passen die rätselhaften Zeichen dazu, die in den Baumstamm neben der Leiche eingeritzt sind? Louis und ihr neuer Partner Christopher Salomon sind dem Mörder dicht auf den Fersen. Doch der Killer hat sein Werk längst nicht vollendet - und die Kommissarin fällt genau in sein Beuteschema...

Meine Meinung

Schon ganz am Anfang konnte mich "Der Seele weißes Blut" für sich einnehmen. Nicht nur optisch gefällt mir das Cover sehr gut, auch das vorangestellte Zitat ist mir direkt im Gedächtnis geblieben: 

„Die Augen sind der Seele klare Fenster, Und Tränen sind der Seele weißes Blut.“ (Heinrich Heine)

Ich finde, dass diese Worte wunderbar zum Buchtitel passen und gleichzeitig bereits etwas Düsteres und Melancholisches ausstrahlen. Auch im Rahmen meiner monatlichen Aktion „Der Erste Satz“ konnte das Hörbuch direkt punkten, denn der erste Satz des Werkes hat mich ebenfalls neugierig gemacht und mir Lust auf die Geschichte vermittelt.

Im Mittelpunkt stehen Hauptkommissarin Lydia Louis und ihr neuer Kollege Christopher Salomon. Gerade ihre Zusammenarbeit fand ich interessant, denn zwischen beiden herrscht zunächst einiges an Spannung und Misstrauen. Christopher kommt aus einem anderen Team, arbeitet erst seit Kurzem mit Lydia zusammen und muss sich seinen Platz noch erarbeiten und beweisen. Trotzdem hatte ich schnell das Gefühl, dass diese Kombination irgendwie funktioniert. Gerade weil noch nicht alles harmonisch läuft, macht das Ermittlerduo neugierig darauf, wie es sich in weiteren Fällen entwickeln könnte.

Lydia selbst ist dabei alles andere als eine unkomplizierte Hauptfigur. Ihr Privatleben ist ziemlich chaotisch und ihre Freizeit scheint sich vor allem zwischen Alkohol und Sex abzuspielen. Dadurch bekommt sie zusätzliche Ecken und Kanten, auch wenn ich mit ihr nicht in jeder Situation warm geworden bin. Gleichzeitig bietet ihre Persönlichkeit natürlich viel Potenzial für die kommenden Bände.

Der eigentliche Mordfall konnte mich von Beginn an fesseln. Eine Frau wird zu Tode gesteinigt, eine Tötungsart, die mir in dieser Form bisher noch nicht in einem Kriminalroman begegnet ist. Allein die Vorstellung davon tat beim Hören schon weh. Besonders interessant fand ich auch die Hintergründe zum Thema Ehrenmord, die innerhalb der Ermittlungen aufgegriffen und erklärt werden. Doch schnell zeigt sich, dass der Fall längst nicht so eindeutig ist, wie er zunächst erscheint.

Nach und nach werden Lydia und Christopher mit immer neuen Rätseln, Hinweisen und Fragen konfrontiert, und genau so etwas mag ich in diesem Genre besonders gern. Mein Kopf hat beim Hören ordentlich gearbeitet, aber der große Pluspunkt war für mich, dass ich tatsächlich bis ins letzte Drittel hinein nicht einmal eine konkrete Idee hatte, wohin die Geschichte führen könnte. Immer wieder kamen neue Ergebnisse ans Licht, weitere Morde geschahen und die Unsicherheit darüber, wem man eigentlich vertrauen kann und wem nicht, wurde größer. Dadurch blieb die Spannung für mich konstant erhalten und ich habe mich immer wieder aufs Weiterhören gefreut.

Zusätzlich zur Gegenwartsebene rund um die Ermittlungen gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der im Jahr 1984 spielt. Dort erzählt ein kleiner Junge von seiner alles andere als schönen Kindheit. Diese Passagen fand ich teilweise wirklich grausam und bedrückend. Auch der Junge selbst wirkt in seinem Verhalten stellenweise seltsam, wobei man schnell das Gefühl bekommt, dass dies eng mit dem zusammenhängt, was er erlebt. Ich war die ganze Zeit gespannt darauf, wie dieser Vergangenheitsstrang mit dem aktuellen Mordfall verbunden sein würde.

Als an einem anderen Ort weitere Gebeine entdeckt werden, stehen die Ermittler schließlich vor zusätzlichen Herausforderungen. Da der Tote offenbar bereits deutlich länger dort liegt, müssen Lydia und Christopher alte Fälle wieder hervorholen und in der Vergangenheit graben. Auch die einzelnen Nebenstränge, die sich daraus entwickeln und letztlich dabei helfen, den aktuellen Fall zu lösen, haben mir gut gefallen. Für mich hatte die Geschichte dadurch genug Abwechslung, ohne dass der eigentliche Kriminalfall aus dem Fokus geriet.

Besonders überzeugen konnte mich schließlich die Auflösung. Wie am Ende die verschiedenen Ebenen, Hinweise, alten Fälle und schaurigen Hintergründe miteinander verbunden wurden, hat mir wirklich gut gefallen. Der Fall war ungewöhnlich, düster und interessant aufgebaut und konnte mich deutlich mehr begeistern, als ich vor dem Hören erwartet hatte.

Tatsächlich stand dieser Band schon seit etlichen Jahren ungelesen in meinem Regal. Nun hat er es endlich geschafft und das definitiv nicht enttäuschend. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, auch in den zweiten Band hineinzuhören. Vorher hätte ich damit ehrlich gesagt gar nicht unbedingt gerechnet.

Fazit ★★★★☆

"Der Seele weißes Blut" bietet einen ungewöhnlichen und stellenweise ziemlich schaurigen Kriminalfall, der mich mit seinen Rätseln, zwei Zeitebenen und immer neuen Erkenntnissen lange im Dunkeln tappen ließ. Besonders die Auflösung und das Zusammenspiel der verschiedenen Handlungsstränge konnten mich überzeugen. Lydia Louis und Christopher Salomon sind als Ermittlerduo spannend, müssen für mein Gefühl aber noch etwas stärker zusammenwachsen. Genau deshalb reicht es für mich noch nicht ganz für die Bestbewertung. Gleichzeitig macht gerade ihre noch etwas holprige Zusammenarbeit neugierig auf die weitere Entwicklung. Nach diesem Auftakt steht für mich jedenfalls fest: Band zwei bekommt sehr wahrscheinlich eine Chance.

Fakten zur Autorin

Sabine Klewe, Jahrgang 1966, arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Dozentin in Düsseldorf und hat zahlreiche erfolgreiche Kriminalromane veröffentlicht. "Der Nachtjäger" ist der Auftakt einer neuen Reihe um den Privatermittler Linus Roth.

Die anderen 3 Bände der Reihe



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

DATENSCHUTZ: Mit dem Absenden deines Kommentars und dem Einverständnis der Kommentar-Folgefunktion bestätigst du, dass du meine Datenschutzverordnung gelesen hast und die Speicherung deiner Daten akzeptierst.