Samstag, 29. August 2026

[HÖREINDRUCK] Seltsame Sally Diamond | Psychothriller


Titel
Seltsame Sally Diamond
Autorin
Liz Nugent
Hördauer
12 Std. 2 Min.
Gelesen von
Larissa Bader, Martin Kuupa und Cornelia Waibel
Link zum Hörbuch
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Inhaltsangabe

"Entsorg mich mit dem Müll", sagte er immer. "Wenn ich sterbe, kannst du mich einfach mit dem Müll entsorgen."

Sally Diamond kann nicht verstehen, warum es seltsam sein soll, was sie getan hat. Sie hat doch einfach nur befolgt, was ihr Vater ihr aufgetragen hat. Aber plötzlich interessieren sich alle für die zurückgezogen lebende Frau: Medien, Polizei und eine unheilvolle Stimme aus ihrer Vergangenheit - an die sie keine Erinnerungen hat. Während sie nach und nach die Schrecken ihrer Kindheit versteht, entdeckt Sally zum ersten Mal wirklich die Welt. Sie findet neue Freunde, trifft weitreichende Entscheidungen und lernt, dass Menschen nicht immer meinen, was sie sagen. Doch wer ist der Fremde, der Sally Nachrichten schickt? Und warum scheint ihr Nachbar geradezu besessen von ihr zu sein? Ein Psychothriller, der unter die Haut geht mit einer unvergesslichen Protagonistin.

Meine Meinung

Was für ein erster Satz! „Entsorg mich mit dem Müll“, damit hatte Liz Nugent mich eigentlich schon. Solche Einstiege punkten bei mir total, und hier hat dieser Satz direkt eine Mischung aus Irritation, schwarzem Humor und Neugier ausgelöst. Denn Sally Diamond nimmt die Worte ihres Vaters Thomas tatsächlich ernst.

Die Geschichte ist insgesamt in drei Teile gegliedert und beginnt in der Gegenwart mit dem Tod von Thomas Diamond. Er ist nicht Sallys leiblicher Vater, hat sie aber gemeinsam mit seiner Frau großgezogen. Und weil er irgendwann einmal beiläufig zu Sally gesagt hat, sie könne ihn nach seinem Tod einfach mit dem Müll entsorgen, tut sie genau das: Sie verbrennt ihn in einer Mülltonne.

Allein diese Ausgangssituation fand ich unglaublich spannend. Wie wird ein solcher Fall eigentlich behandelt, wenn jemand eine Aussage wortwörtlich versteht und sie später tatsächlich in die Tat umsetzt? Für Sally ist ihr Verhalten zunächst vollkommen logisch. Für ihre Umwelt dagegen überhaupt nicht.

Thomas selbst bezeichnet Sally als sozial defizitär. Die beiden haben extrem zurückgezogen gelebt, und bereits im ersten Kapitel wird sehr deutlich, warum dieses Buch den Titel „Seltsame Sally Diamond“ trägt. Denn ja, Sally ist wirklich seltsam. Gleichzeitig hatte ich aber immer wieder den Gedanken, dass sie zu einem gewissen Teil eben auch seltsam erzogen wurde.

 Besonders hängen geblieben ist mir eine Aussage ihres Vaters über sie:

„Bei dir hätte man eine Angststörung oder eine PTBS diagnostizieren können. Manch einer hätte womöglich sogar behauptet, es liege eine Autismus-Spektrum-Störung oder eine Bindungsstörung vor. Tatsächlich bist du einfach ein bisschen seltsam, mehr nicht.“ (S. 62)

Nach Thomas' Tod erhält Sally Briefe, die ihr Vater ganz bewusst für diesen Zeitpunkt hinterlassen hat. Und damit beginnt sich ihr bisheriges Leben Stück für Stück zu verändern. Sie erfährt, dass sie vor ihrer Aufnahme durch das Ärztepaar ein schweres Trauma erlebt hat und dass vieles aus ihrer frühen Kindheit ganz anders war, als sie bisher angenommen hatte.

Kurz vor Weihnachten bekommt Sally schließlich ein Paket. Darin befindet sich ein Teddybär, dessen Name ihr sofort in den Kopf schießt und mit diesem Teddy werden einige Erinnerungen, Geheimnisse und Ereignisse in Gang gesetzt.

Im zweiten Teil des Buches kommt dann eine neue Erzählperspektive hinzu: Peter im Jahr 1974. Gleichzeitig erfährt Sally durch die Briefe ihres verstorbenen Vaters ihren richtigen Namen und immer mehr über die Geschichte ihrer leiblichen Mutter sowie teilweise auch ihres leiblichen Vaters.

Und genau an diesem Punkt startet für mich der eigentliche Psychothriller.

Bis dahin wurde die Geschichte sehr ruhig und elegant über Sally und ihre ungewöhnliche Persönlichkeit aufgebaut. Doch mit Peters Perspektive verändert sich die Atmosphäre deutlich. Von nun an wechseln sich der Vergangenheitsstrang um Peter und der Gegenwartsstrang um Sally ab.

Und spätestens hier wird es wirklich schwierig, noch viel mehr über die große Geschichte hinter Sally Diamond zu erzählen, ohne euch entscheidende Dinge vorwegzunehmen. Dieses Buch lebt davon, dass nach und nach ein Puzzleteil nach dem anderen umgedreht wird. Die Geschichte wächst und wächst und wächst und mit jeder neuen Information verändert sich der Blick auf das, was man vorher gelesen beziehungsweise gehört hat.

Für mich ist „Seltsame Sally Diamond“ eine Mischung aus tragischem Roman und einer True-Crime-Akte, die es wirklich in sich hat. Das Buch erzählt von so vielen menschlichen Schicksalen, von denen viele unfassbar grausam und erschütternd sind. Gleichzeitig bleibt Sally als Figur immer der Mittelpunkt dieser Geschichte und sorgt trotz all der Dunkelheit für ganz besondere Momente.

Der große Hype um dieses Buch ist für mich daher absolut nachvollziehbar.

Ich bin außerdem sehr froh, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe. Besonders Cornelia Waibel als Stimme von Sally Diamond hat mich vollkommen überzeugt. Sie schafft es, Sallys ganz eigene, etwas verschrobene und sozial unbeholfene Art so wunderbar hörbar zu machen, dass ihre „Seltsamkeit“ regelrecht in der Stimme liegt. Gerade dadurch wurde Sally für mich noch lebendiger und greifbarer.

Als ich zusätzlich einmal durch die Printausgabe geblättert habe, war ich übrigens noch glücklicher mit meiner Entscheidung. Das Buch hat zwar nur knapp 400 Seiten, aber die für meine Verhältnisse sehr kleine Schriftart hätte mich beim Lesen definitiv abgeschreckt. Als Hörbuch dagegen war diese Geschichte für mich ein absoluter Genuss.

Fazit ★★★★★

„Seltsame Sally Diamond“ hat mich vollkommen überzeugt. Was zunächst beinahe skurril und ruhig beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem düsteren, erschütternden und psychologisch unglaublich spannenden Roman. Liz Nugent setzt Stück für Stück ein Puzzle zusammen, bei dem man lange nicht weiß, welches Bild am Ende tatsächlich entstehen wird.

Sally selbst ist dabei eine Protagonistin, die man so schnell nicht vergisst. Gerade ihre ungewöhnliche Art, ihre Entwicklung und ihr Blick auf die Menschen um sie herum haben die Geschichte für mich besonders gemacht.

Das Buch beziehungsweise Hörbuch bekommt von mir ganz klar eine absolute Lese- wie auch Hörempfehlung.

Und ich freue mich jetzt umso mehr darauf, noch weitere Bücher von Liz Nugent zu entdecken.

Fakten zur Autorin

Liz Nugent, geboren 1967 in Dublin, hat neben ihrem großen Erfolg Seltsame Sally Diamondfünf weitere Romane veröffentlicht, die mehrfach ausgezeichnet und in über 30 Sprachen übersetzt wurden. Davor schrieb sie erfolgreich Drehbücher für Seifenopern, Hörspiele, Fernsehspiele, Kurz- und Kinderfilme. Bei Gutkind erscheint ihr Gesamtwerk. Sie lebt in Dublin. 

3 weitere Werke der Autorin



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