- Titel
- Das Haus in der Rothschildallee
- Autorin
- Stefanie Zweig
- Seitenanzahl
- 288 Seiten
Inhaltsangabe
Die trügerische Idylle Anfang des 20. Jahrhunderts virtuos verwoben mit dem tragischen Schicksal einer Familie.
Keine dunkle Wolke scheint das Leben von Johann Isidor Sternberg und seiner Familie an des Kaisers Geburtstag, am 27. Januar 1900, zu trüben. Doch die harmonische Idylle erfährt bald ihre ersten Brüche... Mit einfühlsamen Bildern, einer Liebe zum historischen Detail und tiefer Menschlichkeit beschreibt die Bestsellerautorin das Leben einer jüdischen Familie in Frankfurt bis in die Zwanzigerjahre. Das Haus in der Rothschildallee wird zum Symbol einer Zeit, die die Geschichte Deutschlands für immer bestimmt hat.
Meine Meinung
Viele Leserinnen und Leser kennen den Namen Stefanie Zweig vermutlich durch ihren verfilmten Bestseller "Nirgendwo in Afrika". Auch mir war der Titel bekannt, allerdings hätte ich die Autorin bisher nicht benennen können. Nun weiß ich also, welcher Feder dieses autobiografisch geprägte Werk entsprungen ist und meine Neugier auf "Nirgendwo in Afrika" ist auf jeden Fall geweckt.
"Das Haus in der Rothschildallee" beginnt im Jahr 1900 und knüpfte für mich zeitlich beinahe an meine vorherige Lektüre "Queen Victoria" an. Auch wenn hier natürlich eine ganz andere Familie und ein anderes gesellschaftliches Umfeld im Mittelpunkt stehen, fühlte ich mich beim Lesen hin und wieder an die historischen Zusammenhänge und an die Nachfahren der europäischen Adelshäuser erinnert.
Im Zentrum der Geschichte steht jedoch die jüdische Familie Sternberg. Das Buch beginnt am 27. Januar 1900, dem Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. Als Leser lernt man zunächst das Ehepaar Betsy und Johann Isidor Sternberg sowie ihren erstgeborenen Sohn Otto kennen. Johann Isidor ist Tuchhändler und zieht mit seiner Familie im selben Jahr in die Rothschildallee 9 in Frankfurt.
Einige Jahre später ist die Familie komplettiert. Zu Otto sind die Zwillinge Clara und Erwin, Victoria (und bei diesem Namen musste ich natürlich direkt wieder an meine vorherige Lektüre denken), sowie die jüngste Tochter Alice hinzugekommen.
Besonders gern mochte ich die Beschreibungen des Familienalltags. Stefanie Zweig erzählt vom Leben in der Rothschildallee, von den Wünschen, Sorgen und Eigenheiten der einzelnen Familienmitglieder und lässt dabei auch die Menschen um die Sternbergs herum nicht außer Acht. So habe ich beispielsweise das Miteinander der Hausangestellten Josepha und Maria ebenfalls gern verfolgt. Gerade diese vielen kleinen Einblicke machten das Leben im Haus für mich greifbar.
Schon früh wird außerdem deutlich, dass das Verhältnis zwischen Johann und seinem ältesten Sohn Otto angespannt ist. Zwischen beiden stehen viele unausgesprochene Worte und Gefühle. Besonders eindrücklich wird das, als der Erste Weltkrieg ausbricht und Otto an die Front möchte. Eine Stelle hat das für mich besonders gut auf den Punkt gebracht:
„Ausgerechnet an diesem letzten Abend war ihnen eine Ahnung von der Liebe zwischen Vater und Sohn gekommen, die das Leben ihnen vorenthalten hatte.“ (S. 135)
Danach muss die Familie immer wieder mit Schicksalsschlägen, falschen Entscheidungen und deren Folgen umgehen. Johann Isidor versucht dabei, für sich und seine Familie eine solide Mitte zwischen Judentum und Christentum zu finden. Doch die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen lassen bereits erahnen, dass den Sternbergs noch schwierige Jahre bevorstehen.
Auch die Ehe von Betsy und Johann verläuft keineswegs immer harmonisch. Wie vermutlich in vielen Ehen gibt es gute und schlechte Zeiten, Nähe und Entfernung, Verständnis und Verletzungen. Das Ende des ersten Bandes lässt mich jedoch positiv hoffen, dass beide ihre schwierigen Phasen gemeinsam überwinden und mit neuer Stärke in die Zukunft schauen können.
Den Schreibstil und auch den Aufbau des Romans mochte ich insgesamt sehr. Besonders die größeren Zeitsprünge haben für mich gut funktioniert, weil sie einen schönen Überblick über die Entwicklung der Familie geben, ohne sich ausschließlich auf einzelne kurze Zeiträume zu konzentrieren.
Trotzdem ist es Stefanie Zweig gelungen, die Zeit, in der die Geschichte spielt, sehr authentisch darzustellen. Man bekommt ein gutes Gefühl für das gesellschaftliche Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dafür, wie politische Veränderungen langsam, aber immer deutlicher in den privaten Alltag der Menschen hineinwirken.
Der erste Band endet im Jahr 1917. Zu Beginn des Buches hätte ich tatsächlich nicht gedacht, dass ich die Reihe unbedingt weiterlesen möchte. Doch genau das ist nun der Fall. Ich werde mich auf die Suche nach Band zwei bis vier machen, denn die Geschichte der Familie Sternberg ist noch lange nicht zu Ende und gerade mit Blick auf die kommenden Jahre ist klar, dass noch viele Herausforderungen, Entscheidungen und Schicksalsschläge auf sie warten.
Fazit ★★★★☆
"Das Haus in der Rothschildallee" ist ein ruhiger, detailreicher Familienroman mit einer sehr authentischen historischen Atmosphäre. Besonders gefallen haben mir die Einblicke in den Alltag der Familie Sternberg, die verschiedenen Charaktere und die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Manche Passagen waren mir etwas zu ausgeschmückt, und stellenweise hätte ich mir mehr Emotionalität gewünscht. Trotzdem hat mich die Geschichte am Ende so neugierig gemacht, dass ich die Reihe definitiv weiterverfolgen möchte.


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