Montag, 23. Februar 2026

[HÖREINDRUCK] Die Bibliothek im Nebel | Band 2 | Historischer Roman


Titel: Die Bibliothek im Nebel| Autor: Kai Meyer
Verlag: Argon Verlag | Hördauer: 17 Stunden und 39 Minuten
Reihe: Band 2/4 der Reihe um "Die Geheimnisse des Graphischen Viertels"
Kaufen: E-Book HC / HB
Gelesen von: Fabian Busch, Luise Helm und Johann von Bülow


Inhaltsangabe


Sankt Petersburg, 1917. Der junge Bibliothekar Artur flieht vor den Schergen der Revolution, im Gepäck ein Manuskript, das ihn retten soll – und die Leben vieler anderer bedroht. Sein Ziel ist Leipzig, die Stadt der Bücher. Im legendären Graphischen Viertel will er seine große Liebe Mara wiedersehen, die dem Sohn eines reichen Verlegers versprochen ist.

Cote d'Azur, 1928. Das Mädchen Liette findet auf dem Dachboden des Luxushotels Château Trois Grâces die vergessenen Reisekisten russischer Familien, die während der Revolution ermordet wurden. Darin entdeckt sie ein altes, mit einem Schloss gesichertes Buch.

Dreißig Jahre später beauftragt Liette, mittlerweile Direktorin des Hotels, den Gentleman-Ganoven Thomas Jansen, mehr über die ehemalige Besitzerin des Buchs herauszufinden – eine Russin namens Mara. Die Spur führt zu einem Bibliothekar, der vor Jahren nach Leipzig kam, zu einer verlassenen Villa am Meer und der geheimnisvollen Bibliothek im Nebel.

(Quelle: Droemer Knaur)

Meine Meinung



Ein Wiedersehen im Nebel der Geschichte


Mit dem zweiten Band der Reihe um das Graphische Viertel in Leipzig entfaltet Kai Meyer erneut ein vielschichtiges, atmosphärisch dichtes Hörbuch, das Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander verwebt. Besonders beeindruckend ist die Erzählstruktur über drei Zeitebenen hinweg: 1917 begleiten wir Arthur, dessen dramatische Flucht über das Wasser aus Russland nach Deutschland, nicht nur Spannung erzeugt, sondern auch eine emotionale Tiefe eröffnet, denn an Bord eines Schiffes erfahren wir nach und nach einiges über Arthurs bisheriges Leben, seine Liebe und seine zukünftigen Vorhaben. Gekrönt von der unerwarteten Begegnung mit einem alten Bekannten aus dem ersten Band. Dieser Moment wirkt wie eine Brücke zwischen den Geschichten und verstärkt das Gefühl eines größeren, zusammenhängenden Universums.

Die zweite Ebene führt ins Jahr 1928 zu Liette, ein junges Mädchen, welches auf dem Dachboden des familiären Hotels ein Sammelsurium russischer Koffer und anderer Dinge entdeckt. Ein Punkt, der mir bis dato so nie in den Sinn gekommen wäre, ist, dass russische Familien zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Frankreich in den Urlaub gereist sind. Der interessante Fund ist für die kleine Liette jedoch ein Buch, welches wortwörtlich in Ketten gelegt ist.

Schließlich öffnet sich 1958 der Blick erneut auf Liette, die mittlerweile die Alleinerbin des Hotels Château Trois Grâces ist. Mittels einem Brief, welchen sie mit ihrer ausdrucksstarken Handschrift verfasste, holt sie eine weitere Figur in die Geschichte. Thomas Jansen, ein Gast des Hauses wird von Liette förmlich erpresst Informationen über eine Familie einzuholen. In der Nähe des Hotels befindet sich seit 1914 eine Villa, die nach ihrem Fertigbau nicht genutzt werden konnte. Liette bittet nun Thomas Jansen über eventuell noch lebende Angehörige der Verlegerfamilie aus Leipzig einzuholen. Liette würde diese Villa gern ihr eigen nennen können und sie kaufen, denn in dieser Villa entdeckte sie in Kindheitstagen etwas, was sie niemals vergessen konnte: eine Bibliothek im Nebel. Dieser Ort wirkt fast wie ein eigener Charakter, entrückt, geheimnisvoll und voller verborgener Geschichten. Die Vorstellung von Büchern, die im Dunst zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu existieren scheinen, verleiht der Handlung eine poetische Tiefe und unterstreicht Meyers besondere Stärke, Atmosphäre mit Fantasie zu verbinden.

Durch Arthur kehren wir natürlich auch wieder ins Graphische Viertel Leipzigs zurück. Dadurch, dass man im ersten Band schon dort war, was es wie ein zurückkommen.
Der zweite Band behandelt vor allem die Zeit der zwei Weltkriege. 
Familien und Liebende wurden auseinandergerissen.
Menschen konnten aufgrund der politischen Hintergründe nicht mehr reisen.
Wurden enteignet und handlungslos gemacht.
Diese Geschichte hat mir auf jeden Fall einige neue Sichtweisen beschert, über die ich sehr dankbar bin.

Ich war vor kurzem auch in Leipzig auf den Spuren des Graphischen Viertels, aber dafür muss ich einen erneuten Besuch und ein wenig mehr Zeit einplanen, denn ganz so einfach ist es nicht.

Auch wenn es, wie der Reihenname es schon sagt, um das "Graphische Viertel" in Leipzig geht, hätte ich mir doch noch ein paar mehr Eindrücke aus Russland zu Zeiten der Revolution gewünscht. Aber das ist einfach ein Thema, welches mich persönlich sehr interessiert und außer zu Beginn der Geschichte, erfährt man nur noch durch Erzählungen von den Geschehnissen in Russland und deren Folgen. 

Ich habe dem Rätsel um die Bibliothek im Nebel und den vielen Figuren, die in dieser Reihenfortsetzung auftauchen, wieder gerne gelauscht.

Fazit

Insgesamt überzeugt „Die Bibliothek im Nebel“ als Hörbuch durch seine ruhige, dennoch fesselnde Erzählweise, die kunstvolle Verknüpfung der Zeitebenen und die emotionale Resonanz seiner Figuren. Für mich war besonders Arthurs Flucht und seine Erzählungen, sowie das geheimnisvolle Bild der Villa mit ihrer nebelverhüllten Bibliothek ein nachhaltiges Highlight. Allerdings konnte mich Band 2 von den Figuren und der Aufdeckung der vielen Geheimnisse nicht ganz so fesselnd unterhalten, wie der erste Band der Reihe.
Ich freue mich zeitnah auf den dritten Band der Reihe und auf die erneute Rückkehr ins Graphische Viertel.
Weitere Rezensionen zum Buch

Der Autor

Kai Meyer hat rund siebzig Romane veröffentlicht, von denen viele auf die SPIEGEL-Bestsellerliste gelangten. Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet.

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