- Titel
- Der Kastanienmann
- Autorin
- Søren Sveistrup
- Hördauer
- 15 Std. 21 Min.
- Gelesen von
- Richard Barenberg
Inhaltsangabe
Es ist ein stürmischer Tag in Kopenhagen, als die Polizei an einen grauenvollen Tatort gerufen wird. Auf einem Spielplatz liegt die entstellte Leiche einer jungen Frau. Und der Täter hat eine unheimliche Botschaft hinterlassen: Über dem leblosen Körper schwingt eine kleine Puppe aus Kastanien im Wind. Kommissarin Naia Thulin und ihr Partner Mark Hess stehen vor einem Rätsel. Denn die Figur trägt den Fingerabdruck eines Mädchens, das ein Jahr zuvor ermordet wurde - die Tochter der Politikerin Rosa Hartung. Und dann taucht ein zweites Kastanienmännchen auf...
Meine Meinung
Bei "Der Kastanienmann" von Søren Sveistrup habe ich mich bewusst für das Hörbuch entschieden. Mit über 600 Seiten wäre der Thriller sonst vermutlich noch lange auf meinem SuB geblieben. Da ich über den Autor aber schon viel Gutes gehört hatte und mich auch die Netflix-Verfilmung reizt, musste die Geschichte nun endlich in meinen Kopf oder besser gesagt auf meine Ohren.
Schon die Inhaltsangabe machte mich neugierig, aber spätestens nach dem brutalen und undurchsichtigen Prolog war ich gefesselt.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Naia Thulin und Mark Hess. Besonders gefiel mir, dass mit Thulin auch eine weibliche Kommissarin eine zentrale Rolle einnimmt. Eigentlich möchte sie in die Abteilung für Cyberkriminalität wechseln, doch dieser Wunsch wird ihr zunächst von oberer Stelle verwehrt. An ihre Seite bekommt sie Mark Hess, der gewissermaßen nach Kopenhagen strafversetzt wurde und sich mit seiner neuen Situation ebenfalls erst einmal arrangieren muss.
Besonders spannend wird der Fall, als auf dem Kastanienmännchen ein Fingerabdruck entdeckt wird. Dieser gehört zu Kristine Hartung, der seit einem Jahr verschwundenen Tochter der Sozialministerin Rosa Hartung. Spätestens von diesem Moment an begann auch ich, mögliche Zusammenhänge herzustellen. Doch der Autor macht es einem alles andere als leicht.
Genau dafür nimmt sich Søren Sveistrup sehr viel Zeit. Die Länge des Buches ist meiner Meinung nach durchaus bewusst gewählt, denn die Handlung wird Stück für Stück aufgebaut. Es gibt neue Spuren, neue Details und immer wieder Wendungen, die zwar noch nicht sofort die komplette Lösung präsentieren, aber dafür sorgen, dass man ständig neue Vermutungen entwickelt.
Trotzdem hatte die Geschichte für mich zwischendurch auch einige Längen. Ich kann gar nicht genau festmachen, woran es lag, aber an manchen Stellen verlor die Handlung für mich etwas an Tempo. Kurz darauf schaffte es der Autor jedoch immer wieder, mich mit einer neuen Information oder Wendung zurückzuholen.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, was für mich grundsätzlich sehr gut funktioniert hat. Der Handlung konnte ich problemlos folgen. Beim Hörbuch fiel es mir allerdings manchmal etwas schwer, die vielen Namen auseinanderzuhalten – besonders bei den weiteren Ermittlern sowie den verschiedenen Opfern.
Viel mehr möchte ich über diese Zusammenhänge allerdings gar nicht verraten, denn genau hier liegt ein großer Reiz der Geschichte. Die Idee dahinter hat mir sehr gut gefallen und wurde für mich stimmig in den gesamten Fall eingearbeitet.
Und natürlich wartet man bei einem Thriller irgendwann auf den großen Showdown. Den bekommt man hier auch, allerdings anders, als ich zunächst erwartet hatte. Er ist weniger von großer Action geprägt, sondern vor allem überraschend, spannend und erklärend. Nach und nach setzen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und auch das Motiv des Täters wird nachvollziehbar und interessant aufgelöst.
Abschließend möchte ich auch erwähnen, dass mir der Sprecher, Richard Barenberg, sehr gut gefallen hat.
Fazit ★★★★☆
Insgesamt ist "Der Kastanienmann" ein düsterer, brutaler und komplexer Thriller, der etwas Durchhaltevermögen verlangt, mich am Ende aber überzeugen konnte. Und eines steht fest: Beim Kastaniensammeln mit meiner Tochter werde ich kleine Kastanienmännchen in diesem Herbst wohl mit etwas anderen Augen betrachten.


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