Samstag, 19. September 2026

[REZENSION] Das Geschenk der Wildnis | Sachbuch


Titel
Das Geschenk der Wildnis
Autorin
Elli H. Radinger
Seitenanzahl
272 Seiten
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Inhaltsangabe

Die Wildnis ist tief in uns verwurzelt: Sie fordert uns, stärkt uns, beruhigt uns und öffnet unser Herz - und sie beschenkt uns jeden Tag aufs Neue. Elli H. Radinger, Naturforscherin und Wolfsexpertin, erzählt spannende und bezaubernde Geschichten, die zeigen, welche Geschenke die Wildnis für uns bereit hält: Abenteuer, Gelassenheit, Staunen, Stille, Dunkelheit, Gemeinschaft, Resilienz, Vertrauen, aber auch Genügsamkeit und Angst gehören unbedingt dazu. Sie nimmt uns mit auf eine inspirierende Reise in die Natur und zu uns selbst und zeigt, wie die Magie der Wildnis unser Leben und Denken verändert.

Meine Meinung

„Das Geschenk der Wildnis“ ist bereits mein viertes Buch von Elli H. Radinger und ich bekomme einfach nicht genug von ihrer Liebe zur Natur und zu den unterschiedlichsten Tieren.

Die Autorin gilt als Wolfsexpertin, und so durfte ich sie bereits in anderen Büchern dabei begleiten, wie sie Wölfe beobachtet, studiert und lieben gelernt hat. In diesem Buch waren es für mich jedoch vor allem die Bisons, die mich unheimlich fasziniert haben. Diese großen, mächtigen und gleichzeitig so sanftmütig wirkenden Tiere, die sich durch tiefste Schneemassen bewegen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Ich fand diese Einblicke unglaublich spannend und hätte gern noch viel mehr über sie gelesen. Seit der Lektüre ertappe ich mich sogar immer wieder dabei, Bilder von Bisons anzuschauen. Wunderschöne Tiere!

"Ich empfinde die Gelassenheit, in der sie ruhen, stets als heilsam. Sie sind sanft und massig, nicht von dieser Welt. Eine uralte Spezies, die sich vor vielen Jahrillionen entwickelt und große Teile der Welt durchstreift hat." (S. 88)

Doch natürlich bleiben sie nicht die einzigen tierischen Begegnungen. Elli H. Radinger erzählt unter anderem vom Leben der Grizzlys in der Wildnis und von einer ganz besonderen, stillen Begegnung mit einem Wal. Und während ich bisher immer dachte, dass die Wölfe ihre uneingeschränkten Lieblinge seien, wurde ich hier eines Besseren belehrt: Ihre heimlichen Favoriten sind offenbar die frechen Kojoten.

An einem ganz besonderen Geburtstag nimmt die Autorin uns außerdem mit in den Grand Canyon. Eine Landschaft, die mich ebenso wie der Yellowstone-Nationalpark unglaublich reizt. Wenn ich an die USA denke, sind es ohnehin weniger die großen Städte oder Menschenmengen, die mich anziehen, sondern vielmehr die Weite und Ursprünglichkeit der Natur.

Auch das Navajo-Land und die Kultur der Ureinwohner finden ihren Platz in diesem Buch. Dieser Teil war für mich persönlich etwas schwieriger. Manches war mir ein wenig zu mystisch, und ich merke einfach, dass ich zu diesem Thema nur schwer einen Zugang finde. Das ist allerdings vollkommen subjektiv und sagt nichts über die Qualität dieser Passagen aus.

Was die Autorin für mich in all ihren Büchern besonders gut vermittelt, ist dieses Gefühl von Ruhe und Stille. Es sind oft die kleinen Momente, die im ersten Augenblick unscheinbar wirken und im Nachhinein plötzlich ganz groß werden. Ich bewundere außerdem ihren Mut und den sehr persönlichen Lebensweg, den sie für sich gewählt hat.

Nach mehreren Büchern kenne ich natürlich inzwischen einige Stationen ihres Lebens, sodass sich manches wiederholt. Gestört hat mich das jedoch kaum. Vielmehr nimmt sie mich immer wieder mit an Orte, bei denen ich nicht weiß, ob ich sie selbst jemals mit eigenen Augen sehen werde. Umso dankbarer bin ich für ihre bildhaften Beschreibungen. Ich konnte mich auch dieses Mal beim Lesen wunderbar zurücklehnen und die Bilder genießen, die dabei vor meinem inneren Auge entstanden sind.

Der Titel „Das Geschenk der Wildnis“ trifft für mich außerdem einen wichtigen Punkt. Ich glaube, dass wir Menschen heute an vielen Stellen verlernt haben, die Natur wirklich wahrzunehmen und wertzuschätzen. Gleichzeitig sind wir es, die sie immer weiter zerstören.

"Wölfe, Bären, Wale und Delfine wären ohne den Menschen viel besser dran." (S. 31)

Dabei müssen wir nicht gleich unseren Job kündigen und in die Wildnis ziehen, wie die Autorin. Vielleicht würde es schon reichen, wieder bewusster kleine Momente draußen zu erleben. Zu sehen, zu hören und zu spüren, was die Natur uns schenkt. Genau dieses Gefühl ist einer der Gründe, weshalb ich immer wieder zu den Büchern von Elli H. Radinger greifen würde.

"Wir alle können wieder lernen, wie die Kinder zu staunen und die Schönheit der Welt bewusster wahrzunehmen - durch die Natur." (S. 143)

Ich mag ihren Schreibstil, ihre Liebe zu den Tieren und die Vielfalt ihrer Beobachtungen. Und ich habe herausgefunden, dass sie eine unheimliche Frühaufsteherin ist, wie ich. Ihre Bücher funktionieren für mich besonders dann, wenn es um mich herum und in meinem Alltag sehr laut geworden ist. Dann schaffen sie es immer wieder, mich für eine Weile in eine wunderbare innere Stille zu holen.

Fazit  ★★★★☆

Ganz an meine bisherigen Highlights der Autorin reicht „Das Geschenk der Wildnis“ für mich dieses Mal allerdings nicht heran. Mir haben ein wenig die ganz besonderen Momente fürs Herz gefehlt. Die emotionalen Augenblicke, die vorhanden waren, hätten für meinen Geschmack gern noch etwas eindringlicher erzählt werden dürfen. Und auch wenn mich die Wiederholungen nicht gestört haben, war nach inzwischen vier Büchern natürlich einiges bereits bekannt.

Trotzdem möchte ich die Bücher von Elli H. Radinger allen ans Herz legen, die Natur, Tiere und stille Geschichten mögen. Schaut einfach selbst, welches ihrer Bücher euch spontan am meisten anspricht, für mich lohnt sich eine Reise mit ihr in die Wildnis eigentlich immer.

 

Fakten zur Autorin

Elli H. Radinger gab ihren Beruf als Rechtsanwältin auf, um sich ganz dem Schreiben und ihrer Leidenschaft, den Wölfen, zu widmen. Viele Jahre ihres Lebens hat die unabhängige Naturforscherin in Wildnisgebieten verbracht. In persönlichen Episoden erzählt sie von ihren Erlebnissen und Beobachtungen. "Es war die Wildnis, die mich am meisten gefordert und mein Leben und Denken verändert hat. Sie beschenkt uns täglich neu und gibt jedem von uns, was er braucht."


Weitere Bücher der Autorin (bereits gelesen)

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