Mittwoch, 28. März 2018

[Rezension] 100 Prozent tot

Titel: 100 Prozent tot Autor: Stephan Harbort | Verlag: Droste Verlag
Preis: HC nur noch gebraucht/ 8,99€ (E-Book) | Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN: 978-3-770014163
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Inhaltsangabe
Es ist der 21. Juni 1984, als die Berliner Kripo in den frühen Morgenstunden einen 24-jährigen Mann festnimmt. Er soll tags zuvor eine Schülerin vergewaltigt und unsäglich gequält haben. Doch was Günther Jacoby den Kriminalbeamten in den folgenden Tagen erzählt, übertrifft die schlimmsten Erwartungen: Der verheiratete Maurer gesteht ungerührt eine ganze Serie von Foltermorden an jungen Frauen. Nach zwei Jahren der Angst ist die "Phantomjagd" zu Ende, "Deutschlands unheimlichster Frauenmörder" ist gefasst, Berlins Bevölkerung atmet auf. Der Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort beschreibt und analysiert den schrecklichen Fall. Er präsentiert eine spannende Chronik der Ereignisse und das Psychogramm eines Serienmörders, dessen Bekenntnisse in dieser Form erstmals zu lesen sein werden.
(Quelle: Amazon)


Meine Meinung

Das Phantom vom Grunewald


Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich sehr gern Literatur über das Thema Serienmörder, deren Taten und deren Psyche lese.
Einfach weil es unheimlich, aber auch interessant ist.
Vor allem der mir bereits bekannte Serienmordexperte Stephan Harbort kann dieses Interessengebiet unheimlich gut aufgreifen. Als der Autor dann einen Aufruf zu diesem Buch startete, musste ich es einfach versuchen.

„Das Phantom vom Grundewald“ war mir bisher im Hinterstübchen geläufig, aber genauere Informationen hatte ich nicht. Was eventuell daran lag, dass die Taten in den frühen 80er Jahre begangen wurden und ich erst acht Jahre später das Licht der Welt erblickte.
Was ich mir von diesem Buch erwartet habe, waren viele Fakten zum Fall, einen Einblick in die Ermittlungsarbeit, das Erkennen des Geschicks von Harbort in diesem Gebiet und ganz besonders gespannt war ich auf die Einblick des Täters selbst

Der Prolog gibt einen Einblick in die Nacht des 14. März 1982.
Bereits hier, ohne dass wirklich etwas passiert ist, jagte es mir einen Schauer über den Rücken. Machtlos, etwas am Geschehen dieser Nacht ändern zu können, blätterte ich um und tauchte vollends in dieses Buch ein.

Das Buch selbst, teilt sich in zwei Teile. Auf den ersten 250 Seiten geht der Autor auf das Verbrechen an sich ein. Besonders angetan war ich hier von dem Punkt, dass Harborts Beschreibungen im Jahr 1960 seinen Anfang nehmen.
Das Jahr in dem Günther Jacoby das Licht der Welt erblickte.
Jedem Neugierigen sollte an dieser Stelle klar sein, dass der Autor zum Schutze der Persönlichkeitsrechte sämtliche Namen pseudonymisiert hat.

Bei vielen Serienmördern stelle ich mir die Frage nach der Kindheit. Dementsprechend sog ich diese ersten Seiten zur Geschichte von Jacoby förmlich ein. Stephan Harbort erweist auf diesen Seiten bereits sein Gespür für das Wesentliche. Er schildert markante physische und psychische Entwicklungszüge des Täters. Als Ergotherapeutin sehe ich verschiedene Wesensbeschreibungen nochmal von einer ganz anderen Seite, aber ganz schnell wurde klar, dass dieses Kind geprägt ist und aufgrund des Elternhauses, der Erziehung und den Umweltfaktoren eine Verhaltensstörung entwickelt. Besonders erschreckend für mich persönlich war die fehlende soziale Kompetenz, welche im gesamten Verlauf immer wieder sichtbar wird.
Auf diesen Seiten erhält man einen sehr guten Einblick. Mir hat an dieser Stelle absolut nichts gefehlt und ich verfolgte gespannt die späteren Lebensjahre von Günther Jacoby.
Der Titel des Buches ist Programm.

Mit dem Pfund einer Leiche nimmt der Autor vorerst Abstand von dem Täter, sondern bezieht sich auf detaillierte Beschreibungen und Erklärungen des Tatorts und der darauf folgenden Ermittlungsarbeit. Tatsächlich war ich geschockt, wie sehr die damaligen Ermittler im Dunkeln tappten und welche Zeitspanne der Fall einnahm, bis der Täter gefasst wurde. Viele Leser haben Angst, dass gerade die Beschreibungen der Ermittlungsarbeit langatmig oder sogar langweilig sind.
Keine Spur!
Sie gehören zu einem Fall dazu und ich fand es sehr spannend, wie der Mordfall nach vielem Hin und Her zu einem Ende kam.
Kaum zu glauben, aber so war es.

Ein wahrer Vernehmungsmarathon folgte.
Den Einblick in die einzelnen Vernehmungen und vor allem die Antworten und Aussagen von Jacoby brachten mich fast vom Glauben ab.
Was ging nur in diesem überdurchschnittlich intelligenten Menschen vor.

„Ich möchte noch zwei Vorfälle erwähnen, damit man nicht hinterher sagt, ich hätte etwas verschweigen wollen.“ (S. 157f.)

Ganz kurz möchte ich noch etwas zum zweiten Teil des Buches sagen.
Auf ungefähr 60 Seiten geht es um ein Interview zwischen Stephan Harbort und dem Mörder vom Grunewald. Harbort stellt die Fragen, die sich ein jeder Leser selbst stellt und noch interessanter lasen sich die Antworten des Täters.
Man ist gefühlt im Raum des Interviews anwesend, so authentisch wird dieser Part dargestellt.


Mein Fazit
Stephan Harbort schafft es die Ereignisse um „das Phantom vom Grunewald“ unter Zuhilfenahme von Ermittlungs-,  Gerichtsakten und persönlich geführten Gesprächen in ein Komplettpaket zu packen.
Für mich wurden der Fall an sich, die Persönlichkeit des Täters und das Danach detailliert beschrieben, so dass meinerseits keine Fragen offen geblieben sind.
Dieses Buch habe ich mit zwei Gefühlen im Bauch zugeschlagen.
Einerseits Unverständnis und Abscheu, und anderseits…ach lest es einfach selbst!
Alle Interessierten sollten sich diese Darlegungen nicht entgehen lassen.

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Der Autor
Stephan Harbort, Jahrgang 1964, ist Kriminalhauptkommissar und führender Serienmordexperte. Er sprach mit mehr als 50 Serienmördern, entwickelte international angewandte Fahndungsmethoden zur Überführung von Gewalttätern und ist Fachberater bei TV-Dokumentationen und Krimi-Serien. Stephan Harbort lebt in Düsseldorf.

© Mareike Föcking

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Bereits rezensiert 


Mein herzlichster Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares gilt


STEPHAN HARBORT 



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