Dienstag, 1. Mai 2018

[Rezension] Evil

Titel: Evil | Autor: Jack Ketchum | Verlag: Heyne Hardcore Verlag
Preis: 9,99€ (TB) | Seitenanzahl: 352 Seiten 
ISBN: 978-3-453-67502-5
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Inhaltsangabe
Die USA in den 50er- Jahren. Nach außen hin eine heile Welt, doch inmitten der amerikanischen Vorstadtidylle wird ein Junge mit unvorstellbaren Grausamkeiten konfrontiert. Jack Ketchum zeigt in seinem beunruhigenden, grenzüberschreitenden Horrorthriller die Abgründe der menschlichen Seele auf.
(Quelle: Heyne Hardcore)


Meine Meinung

Ketchum zeigt zu was Menschen in der Lage sind


Dieses Buch habe ich über die Jahre schon mehr als einmal gelesen und ich weiß, dass ich es noch viele weitere Male lesen werde. Der zwölfjährige David, welcher in diesem Roman den Ich-Erzähler darstellt, schildert anfänglich das Leben einer amerikanischen Vorstadtidylle im Jahr 1958.

„Diese Geschichte ist für dich, Ruth“ (S. 32)

Diese Worte vom erwachsenen David stehen allerdings in keinem Fall für eine nett gemeinte Widmung. David erzählt viele Jahre später in welchen Sumpf aus Schrecken und kaum glaubhafter Gewalt er hineingezogen wurde.

Jeder, der dieses Buch liest, wird anfänglich merken, dass Jack Ketchum den Leser ganz langsam und sacht an dieses Buch heranführt. Mit kleinen Schritten nähert man sich dem großen Schrecken.
David lebt in einer beschaulichen Nachbarschaft. Da die Beziehung zu seinen Eltern nicht gerade die herzlichste ist, zieht es ihn sehr oft nach nebenan ins Nachbarhaus. Hier lebt Ruth mit ihren drei Söhnen Donnie, Willie und Ralphie. Vor allem mit Donnie verbindet David eine Freundschaft, da beide im gleichen Alter sind. Durch die Beschreibungen aus Davids Sicht wird sehr schnell klar, dass Ruth eine sehr spezielle Erziehung anwendet. Sie hat kein Problem, wenn ihre Söhne Alkohol trinken oder sich mit sexuell basierten Filmen im Fernsehen die Zeit vertreiben. David ist gerne bei der Familie Chandler nebenan, einfach weil alle locker miteinander umgehen und es keine Regeln gibt. Ruth ist weniger eine Erwachsene, eher eine Freundin der Jungs.

Eines Tages trifft David auf Meg, welche nach einem Schicksalsschlag mit ihrer kleinen Schwester Susan zu ihrer Tante Ruth ziehen. Von Anfang an ist David fasziniert von Meg, doch schnell wird klar, dass Ruth mit den Mädchen nicht so umgeht, wie es eine Tante tun sollte.
Für die beiden Mädchen war es im Endeffekt das schrecklichste Omen, dass ihre Obhut an ihre Tante Ruth ging. Von nun an verändert sich das Leben aller…

Vom Ich-Erzähler bekommt man noch kurze Einblicke in sein Erwachsenenleben. Gescheiterte Ehen, Ängste und Kinderlosigkeit. Und dass er keine Kinder hat, liegt vor allem an dem Wissen, zu was Kinder in der Lage sind.

Ab einem gewissen Punkt verändert sich die Atmosphäre im Buch erheblich.
Jack Ketchum setzt einen Punkt hinter der heimischen Vorstadtidylle und nimmt den Leser mit zu einem Setting, welches jeden Leser packen und psychisch belasten wird.

Dieses Buch bringt eine fesselnde und schockierende Story mit sich, spricht aber ebenso Themen an, welche weiterhin aktuell sind und mit denen man sich immer wieder auseinandersetzen sollte.
Steckt in jedem etwas Böses?
Aktivität vs. Passivität eines Handelnden.

„Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und schaute weg.“ (S. 144)

Und immer wieder Fragen, wie: zu was wärst du in der Lage?

Mit hat der Autor Bilder in mein Gehirn verpflanzt, die ich bereits nach dem ersten Mal lesen nicht mehr vergessen habe. Das wiederholte Lesen bringt mir jedes Mal das Grauen an sich näher.
Im letzten Drittel traut man sich fast gar nicht mehr weiterzublättern.
Wer dieses Buch als leichte Kost an sieht, der ist absolut abgehärtet.
Meiner Meinung nach geschehen hier Dinge, die man einfach verachten muss.

„Es gibt Dinge, die erzählt man nicht. Da stirbt man lieber.
Dinge, von denen man weiß, dass man besser gestorben wäre, statt sie zu erleben.
Diese Dinge habe ich erlebt.“ (S. 293)


Mein Fazit
Für mich ist und bleibt dieses Werk von Jack Ketchum einfach das Beste.
„Evil“ kann ich ganz klar zu einem meiner Lieblingsbücher zählen.
Und nicht aus dem Grund, weil ich es befürworte, was hier geschieht, sondern weil Ketchum den Leser hier sowas von in der Hand hat. Die Spannungskurze, ich nenne sie auch gern die Kurve des Grauens, fügt er so gekonnt in die Geschichte ein. Die Charakterdarstellungen sind brillant und die sehr detailgetreuen Beschreibungen packen jeden Leser emotional.
Für jeden, der sich traut eine absolute Leseempfehlung.
Das Buch wurde übrigens zwei Mal verfilmt.
Ich habe in der Vergangenheit beide Verfilmungen geschaut, kann auf Anhieb allerdings gar nicht mehr sagen, welche mir besser gefiel. Ein Zeichen, dass es eine Wiederholung geben sollte.
Titel der Verfilmungen
„The girl next door“ und „An American Crime“

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Der Autor
Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Seine Horrorromane zählen in den USA unter Kennern neben den Werken von Stephen King oder Clive Barker zu den absoluten Meisterwerken des Genres und wurden mehrfach ausgezeichnet.
© Google

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