Samstag, 21. Juni 2014

Rezension "Buntschatten und Fledermäuse"

Titel: Buntschatten und Fledermäuse
Autor: Axel Brauns
Seitenanzahl: 384
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 9,90€
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Inhaltsangabe
Wie aus dem „Dummbart“ ein „Schlauberger“, aus dem Sprachlosen ein Dichter wird, wie ein „Gefühlstauber“ den Autismus durchbricht: Axel Brauns‘ Erinnerungen geben einen erstaunlichen Einblick in eine andersartige Welt. Faszinierend, aufregend, verstörend.
Optik
Der Titel Buntschatten und Fledermäuse lässt nicht sofort auf eine Handlung schließen. Auch das Cover, welches in drei Farben gehalten ist: weiß, blau-grau und rot, verrät nichts über die Handlung des Werkes. Auffällig in rot sind der Buchtitel und ein Papagei gestaltet. Blau-grau ist im oberen Drittel des Buches ein winterlicher Wald dargestellt. Durch den weißen Untergrund und die geringe Farbwahl ist es ein eher schlichtes Cover.

Meine Bewertung
Nach so langer Zeit auf meinem SuB war es höchste Zeit dieses Buch von Axel Brauns zu lesen. Das Buch wurde mir damals während meiner Ausbildung von einer Lehrerin empfohlen, da man in unserem Berufsfeld mit Autisten in Kontakt kommen kann.

Das Buch erzählt die ersten 20 Lebensjahre von Axel Brauns. Ziemlich am Ende des Buches ist ein chronologisches Inhaltsverzeichnis aufgeführt, um dem Leser darzustellen, in welchen Monaten bzw. in welchem Jahr welches Kapitel spielt.

Fast die ersten 10 Kapitel brauchte ich, um mich in die Denkweise des Autors hineinzuversetzen und die Sprache zu verstehen. In seiner Ich-Erzählung benutzt der Autor zu dem, vor allem in den ersten Kapiteln sehr viele Wortneuschöpfungen und begriffliche Umdeutungen, welche es schwer machten das Buch fließend zu lesen. Ein kleines Beispiel für euch: Seine Mutter nannte er „Haha“, seinen Vater nannte er „Dachs“ und sein Bruder war „Heimer“. Damit habe ich mich recht schnell zurechtgefunden, doch das Wörter wie „Beese“ Baiser bedeuten sollten, erkannte ich immer erst ein bis zwei Kapitel später.

Axel, der an dem Asperger-Syndrom leidet, welches eine tiefgreifende Entwicklungsstörung innerhalb des Autismusspektrum bezeichnet, erzählt uns die Geschichte seiner Kindheit und Jugend. Typische Verhaltensweisen eines autistischen Kindes werden sichtbar, z.B. eine auffällige Sprache mit häufiger Echolalie, was so viel bedeutet wie das Nachsprechen von Wörtern. Ein weiteres Merkmal ist die Verarmung von Emotionen. Axel löst im Verlauf des Buches bei seinen Mitmenschen sehr viele Emotionen aus, kann jedoch Emotionen, wie Mitleid, Verlust durch Tod, Schmerzen, Verliebtsein oder Eifersucht nicht empfinden und fällt dadurch immer wieder negativ auf. Auch das vermeiden sozialer Kontakte wird im Buch sehr deutlich. Axel kann Menschen nicht ins Gesicht schauen bzw. erkennt er nur eine Art Schatten, wenn er in Gesichter blickt.

Eine Frage, die mich, sowie bestimmt auch viele Leser des Titels bzw. des Buches interessiert ist, was hat es mit den Begriffen „Buntschatten“ und „Fledermäuse“ auf sich.  Der Autor bezeichnet die Buntschatten als ihm bekannte und gute Menschen, die verständlich mit ihm reden. Als Fledermäuse bezeichnet er die Menschen, die ihm nicht gut gesinnt sind, die zu schnell handeln, dass er sich von ihnen in seiner Welt gestört fühlt.

Abschließend möchte ich sagen, dass dieses Buch vor allem seine Einsamkeit in einer Welt voller Menschen zeigt. Durch seine Besonderheit stößt er immer wieder auf Unverständnis und Hindernisse. Vor allem der Umgang mit Gefühlen stellt für ihn ein riesen großes Rätsel dar. Ziemlich am Ende des Buches sagte er dahingehend dies: „Alle Herausforderungen meines Lebens hatte ich gemeistert, nur an einer Aufgabe war ich gescheitert: Gefühle kann man nicht auswendig lernen.“
Dieser Satz ist für mich ebenso das Highlight dieses Buches.

Fazit
Vor allem Menschen, die mit diesem Klientel zusammenarbeiten, lege ich dieses Buch ans Herz. Jedoch auch allen, die eine interessante Ich-Erzählung eines Menschen lesen wollen, der viele Menschen um sich hat, dennoch irgendwie ganz allein ist in dieser Welt.
Allerdings sollte man sich für dieses Buch Zeit nehmen. Wie schon erwähnt, mir fiel die Schreibweise mit dem vielen Wortneuschöpfungen sehr schwer zu lesen. Mit seinem Älterwerden bessert sich dies jedoch, dh. die zweite Hälfte hat sich besser gelesen.


Das Buch bekommt 2,5 von 5 Sternen.