Sonntag, 17. Juli 2016

[Rezension] Extreme Horror - Die Anthologie

Titel: Extreme Horror - Die Anthologie | Autor: Frank Festa & Edward Lee 
Verlag: FESTA Verlag | Preis: 12,80€ (TB) | Seitenanzahl: 352 Seiten 
ISBN: ohne ISBN/ Privatdruck | Leseprobe: Hier
Kaufen: Hier
Band 19 der FESTA Extrem Reihe
ACHTUNG!!! ab 18 Jahren


Inhaltsangabe
Enttäuscht, weil das, was als Horror angeboten wird, dir nur ein müdes Gähnen entlockt? Dann brauchst du die Frischzellenkur des Extreme Horror.

Edward Lee: »Ihr wollt Hardcore? Bekommt ihr. Blut und Gedärme? Sex, Gewalt und Folter? Könnt ihr im Übermaß haben, meine Freunde, persönlich überreicht von einem Zirkel der besten Extreme-Horrorautoren der Welt.
(Quelle: FESTA Verlag)


Meine Meinung


Ihr sucht das Extreme, hier habt ihr es…


„Extreme Horror – die Anthologie“ ist eine Kurzgeschichtensammlung, welche von Frank Festa und Edward Lee herausgegeben wird.

Die Kurzgeschichten
1. Jeffrey Thomas: Staub
2. Monica J. O'Rourke: Asha
3. Jack Ketchum: Falls die Erinnerung nicht trügt
4. Shane McKenzie: Unwiderstehlich
5. Kristopher Rufty: Eine Bettgeschichte
6. Graham Masterton: Wenn die Luft fehlt
7. Edward Lee: Jede Nacht
8. Jack Ketchum: Der Beste
9. Lucy Taylor: Knockouts
10. Tim Miller: Pflegehölle
11. Wrath James White: Sexspielzeug

Bevor es um den Inhalt geht, möchte ich dieses Buch vorab wegen des Vorwortes in den Himmel heben! Lange habe ich darauf gewartet, dass es mal jemand ausspricht. Und dann tun es Edward Lee und Frank Festa gleich im Doppelpack!!

WAS IST EXTREME HORROR?
UND WARUM IST ES UNTER UNS FREAKS SO BEGEHRT?
 Mit Aussagen wie: „…um Literatur jenseits der Norm, die noch einen Schritt weitergeht, verfasst von einem Schriftsteller, den es nicht kümmert, wie anstößig, verstörend und tabu dieser Schritt sein mag.“ (S. 9) trifft Edward Lee den Nagel auf den Kopf. Genau darum geht es meiner Meinung nach. Wie viele unter euch gucken sich brutale, verstörende Horrorfilme an und denken sich „geil“. Aber wenn solche Themen in Literatur Platz finden, drehen sich viele weg und schütteln mit dem Kopf. Für mich selbst ist die Horror-Literatur und vor allem die Extreme-Horror-Literatur das Maß der Dinge. Warum? Weil ich hier meiner Fantasie freien Lauf lassen kann und die Story mir nicht bereits in festgelegten Bildern vor die Augen gesetzt wird.

Und Frank Festa weist den Leser daraufhin, dass Zeiten, in denen Geistergeschichten die Oberhand im Horrorgenre hatten, längst vorbei sind. Denn in der Gegenwart schockt eher, dass was zur Realität werden könnte!
„…hilflos einem Psychopathen ausgeliefert zu sein, ist nun einmal vorstellbarer und realer, und damit beängstigender, als jede Fantasie von ruhelosen Geistern in der Nacht, die unsere Großeltern noch in Schrecken versetzen konnten. Die Irren gibt es nämlich wirklich…“ (S. 14)

Natürlich sind Blut, Gewalt, Folter und Vergewaltigungen in Literatur nicht jedermanns Fall, aber dann lasst einfach die Finger von diesen Büchern und schimpft sie nicht als abartig.
Dieser Moment, wenn man in der Öffentlichkeit ein solches Buch zur Hand nimmt und dein Gegenüber in der Bahn oder an sonst einem Ort nur bekümmert wegschaut und denkt „oh Gott, ich sitze einer Irren gegenüber“, ist für uns Leser nur purer Stolz. So, dass musste nun mal gesagt werden.

Nun aber zu den Kurzgeschichten. Wer sich in dem Genre auskennt, sieht an der Titelliste, dass es sich hier um Geschichten von den Besten der Besten handelt und man einiges zu bieten bekommt. Wie die Verlagsseite bereits angibt, geht es in den Geschichten weniger um Anspruch, sondern um Brutalität und Sex!
Und ich finde hier gibt es eine Menge an Sex. Sex nach den nur schlimmsten denkbaren Vorstellungen.
Ich ahnte es bereits vorab, dass mich Wrath James White wieder am meisten in seinen Bann ziehen kann und so war es auch. Allerdings konnten sich hier auch andere Autoren mit ihren Ideen beweisen. Auch Jack Ketchum, Shane McKenzie und natürlich Edward Lee konnten mich absolut überzeugen mit ihren Geschichten.
Toll, dass sich auch wieder zwei weibliche Autoren unter den Geistreichen befinden. Hut ab, dass ihr beweist, dass auch wir Frauen ein Händchen für das Extreme haben.

Wo wir auch schon beim Nachwort wären. Dieses steht ganz im Zeichen von uns Frauen und den Ton gibt hier die Chefin Inge Festa an.

WARUM SIND ÜBER 50% DER FESTA LESER FRAUEN???
Diese Frage brauche ich mir selbst nicht zu stellen, aber mit Sicherheit stellen diese sich so einige Männer und Leute, die mit diesem Genre so gar nichts anfangen können.
Da es auf diese Frage die verschiedensten Antworten gibt, möchte ich nur nochmal meine eigene Antwort in den Raum stellen.
Ich brauche dieses Genre mittlerweile um meinen Alltag zu managen. Ja, es ist das beste Mittel gegen Stress und Langeweile. Es sind Themen, die in unserer heutigen Gesellschaft nicht gern angesprochen werden und dennoch immer wieder aktuell sind. Zu dem schockt mich heutzutage weniger der Grusel, sondern eher der Ekel und diesen verspüre ich bei diesen Büchern sehr häufig. Das Kopfkino steigert sich einfach ins Unermessliche.

Kleines Beispiel am Rande
Wenn du aus dem Fenster guckt und deinen Freund mit einem Nachbarn vor der Garage reden siehst und 10min später niemanden mehr siehst, am Fenster stehst und genau darauf achtest, ob sich in der Garage etwas tut. Und als dies nicht der Fall war, die tatsächlich der Gedanke kommt, ob der Nachbar ein böser Nachbar ist und mein Freund nun blutend und gefoltert in der Garage liegt. Genau dann ist mir klar, dass die Bücher das Ultimo erreichen können^^

Ich werde diesen Büchern nicht mehr den Rücken kehren, außer zu einer bestimmten Alltagstätigkeit: Essen. Nein, das kann ich bis heute nicht. Dabei oder danach essen. Optimale Abnehmcoachs :D


Mein Fazit
Extremer geht es kaum! Und dennoch kann man nicht genug bekommen. Für mich kein Buch, welches ich in 2 Tagen durchsuchte, aber ein Buch, auf das man sich immer wieder freut zur Hand zu nehmen und in die Tiefen der menschlichen Psyche abzutauchen. Inklusive mega Vorwort und bomben Nachwort eine absolute Leseempfehlung für alle Fans.
Monica J. O'Rourke: Asha (4/5)
Jeffrey Thomas: Staub (3/5)
Jack Ketchum: Falls die Erinnerung nicht trügt (5/5)
Shane McKenzie: Unwiderstehlich (5/5)
Kristopher Rufty: Eine Bettgeschichte 4/5)
Graham Masterton: Wenn die Luft fehlt (4/5)
Edward Lee: Jede Nacht (5/5)
Jack Ketchum: Der Beste (4/5)
Lucy Taylor: Knockouts (4/5)
Tim Miller: Pflegehölle (4/5)
Wrath James White: Sexspielzeug (5/5)
(Ja, der Durchschnitt ist 4, aber das Zusatzpaket reißt es raus^^)


Die Herausgeber
Schon als kleiner Junge interessierte sich Frank Festa (geboren 1966 in Düsseldorf) für das Makabre und durchstreifte die Keller alter Häuser um »dunkle Geheimnisse« zu entdecken. Als er mit 9 Jahren die Unheimliche Literatur für sich entdeckte, entflammte eine Liebe, die bis heute anhält.
Seit 2001 führt er den Festa Verlag (Horror und Thriller aus Amerika). Auch für andere Verlage hat er einige Anthologien herausgegeben.

Edward Lee (geboren 1957 in Washington, D. C.). Nach Stationen in der U.S. Army und als Polizist konzentrierte er sich lange Jahre darauf, vom Schreiben leben zu können. Während dieser Zeit arbeitete er als Nachtwächter im Sicherheitsdienst. 1997 konnte er seinen Traum endlich verwirklichen.
Er lebt heute in Florida und hat mehr als 40 Romane geschrieben, darunter den Horrorthriller Header, der 2009 verfilmt wurde. Er gilt als obszöner Provokateur und führender Autor des Extreme Horror. Seine Werke enthalten überzogene Darstellungen von sexueller Gewalt. Wer so etwas nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Für Fans dagegen ist Edward Lee ein literarisches Genie. Er schreibt originell, verstörend und gewagt – seine Bücher sind ein echtes, aber schmutziges Erlebnis.