Montag, 14. Januar 2019

[Rezension] Wie Gräser im Wind | Band 1 | Andrea

Titel: Wie Gräser im Wind | Autorin: Ella Zeiss
Verlag: Independently published
Seitenanzahl: 332 Seiten
Reihe: Band 1/2 der "Tage des Sturms- Reihe"
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Inhaltsangabe
Eine berührende und authentische Familiensaga über ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. 
1930 wütet das Sowjetregime mit Enteignungen und Verhaftungen in den ehemals wohlhabenden deutschen Dörfern der Krim. Jeder, der noch Land oder Einfluss hat, schwebt in Gefahr. Wilhelm Scholz weigert sich, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben. Mitten in der Nacht zerren bewaffnete Männer ihn, seine Frau Anna und ihre kleinen Kinder aus dem Haus. Die Familie wird in die eisige Wildnis des Hohen Nordens gebracht und Baumfällarbeiten zugeteilt. Inmitten von Hunger, Krankheit und klirrender Kälte kämpfen Anna und Wilhelm ums Überleben und um einen Platz in der neuen Weltordnung. Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch eine rechtzeitige Flucht. In einer Nacht- und Nebelaktion verlässt er mit seiner Familie das Dorf und lässt alles zurück. Doch die Verschnaufpause währt nicht lang. Als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Eine Odyssee von der Krim bis nach Baku beginnt…
(Quelle: Amazon)


Meine Meinung

Kühle Atmosphäre mit vielen Emotionen


Dieses Buch ist mir über einen gewissen Zeitraum immer wieder im Internet begegnet und bekam dann auch noch den Kindle Storyteller Award 2018.
Schnell war klar, diese Geschichte darf ich mir nicht entgehen lassen.
Dieses Buch ist Teil einer Reihe, welche zwei Bände beinhaltet.

Ella Zeiss schreibt hier eine Geschichte nieder, die mir aus mehreren Gründen nahe ging. Zum einen hat die Autorin einen persönlichen Bezug zur Geschichte, zum anderen bringt sie mir hier eine Thematik näher, welche nicht vollkommen an mir vorbei gegangen ist, aber mit welcher ich mich noch nie wirklich beschäftigt habe.

Anna und Wilhelm leben mit ihren zwei Kindern in einer deutschen Siedlung auf der Halbinsel Krim in der Sowjetunion. Ohne viel Ankommen konfrontiert uns die Autorin sofort mit viel Schrecken und Fassungslosigkeit.
Es ist eine Zeit des Verlustes.
Der Machtlosigkeit.
Als auch Wilhelms Familie umgesiedelt werden soll, eingepfercht wie Tiere in einen Waggon, ahnt man als Leser, dass dieses Buch viele solcher Momente mit sich bringen wird.

„Sie waren machtlos, der Obrigkeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.“ (S. 15)

In meiner Überschrift erwähne ich eine kühle Atmosphäre. Damit meine ich nicht, dass mich das Buch kalt lässt, sondern eher, dass es mich unheimlich fröstelte beim Lesen. Die Familie um Anna und Wilhelm wird in den tiefen Norden der Sowjetunion umgesiedelt. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Zudem kein Essen, eine grausame Unterkunft und die große Frage nach der Zukunft.

„Du darfst nur nie die Hoffnung aufgeben.“ (S. 92)

Ella Zeiss geht im Verlauf darauf ein, mit welchen Aufgaben die Menschen zu der Zeit konfrontiert waren. Die Männer mussten bei diesen Temperaturen körperlich hart arbeiten, um für weitere Menschen, die umgesiedelt werden sollten, neue Siedlungen zu bauen. Die Truppenführer schreckten zudem auch nicht davor zurück Frauen diese Arbeiten vollrichten zu lassen.
Kaum vorstellbar, aber wahr.

„Wissen ist Licht, Unwissen ist Dunkelheit.“
(Lenin, S.236)

Anna hat Glück und kann bei ihren Kindern bleiben. Aber auch hier kommt es zu Problemen. Immer mehr Menschen in den Baracken werden krank.
Eine Zeit des Bangens steht an. Als Leserin habe ich sehr schnell einen Bezug zu Anna und ihrem Mann Wilhelm gefunden. Beide werde ich als Kämpfer in Erinnerung behalten. Was dieses Ehepaar in dieser Geschichte durchmacht, ist kaum vorstellbar und dennoch herrschte durch weg ein spürbarer Zusammenhalt.

„Und doch hatte man ihnen ihre Identität nicht nehmen können, weder ihre Sprache noch ihre Lieder oder ihren Glauben.“ (S. 132)

Im zweiten Teil des Buches bringt Ella Zeiss eine weitere Familie in die Geschichte ein. Auch diese Familie um den Sohn Harri begleiten wir durch eine schreckliche Zeit. Niemand scheint mehr sicher zu sein. Die Familie trennt sich und als Leser wechselt man nun in der Perspektive beider Familien.

„Es gab keine Sicherheit mehr in dieser Welt, für keinen von ihnen.“ (S.181)

Emotional weiß ich nicht, wen dieses Buch nicht berühren sollte.
Man kommt nicht umhin, über diese Zeit und diese Situationen der angesprochenen Familien im Buch nachzudenken. Es hätten auch die eigenen Vorfahren sein können. Es war eine Zeit in der man einfach nicht wusste, wer Freund und Feind ist.

„Was auch geschieht, wir werden immer die Fremden sein, die anderen.
Die Deutschen oder die Sowjets, je nachdem, aus welcher Richtung man uns betrachtet.“ (S. 299)


Mein Fazit
Mit diesem Reihenauftakt trifft die Autorin nicht nur meinen Lesegeschmack, sondern auch einen ganz besonderen geschichtlichen Nerv.
In „Wie Gräser im Wind“ verbindet sie historische Realität mit vielen Themen, die dieses Buch zu etwas Besonderem machen.
Sie schreibt über Verlust, Trennung, Tod, aber auch über Liebe, Zusammenhalt und Hoffnung. Und genau dieses Wort ist es, welches mich im Titel zu Band 2 hoffen lässt, dass die Geschichte der beiden Familien einen guten Ausgang nimmt und mich nochmal so gut unterhält, wie Band 1 der Reihe.

 Zu Band 2 gibt es eine LESERUNDE ab dem 18.01. bei Martinas Buchwelten

 Weitere Rezensionen zum Buch


Die Autorin
Elvira Zeißler - je nach Genre auch Ellen McCoy oder Ella Zeiss genannt - lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in der Nähe von Köln. Seit über 20 Jahren schreibt sie mit großer Begeisterung fantastische und gefühlvolle Geschichten, die ihre Leser die Welt um sie herum
für ein paar Stunden vergessen lassen sollen. Insgesamt hat sie bisher 24 Romane veröffentlicht. Mit ihrer authentischen Familiensaga "Tage des Sturms" gewann Elvira Zeißler den Kindle Storyteller Award 2018.
 
© Amazon
 
Band 2 der Reihe 



Kommentare:

  1. Liebe Andrea,
    wie du ja schon von der gemeinsamen LR und meiner Bewertung weißt, fand ich den Roman sehr ergreifend und einfach grandios. Ich freue mich schon auf band 2, auch wenn ich mich auf der anderen Seite schon fürchte über weitere Grausamkeiten zu lesen.

    Das mit dem Cover ist mir auch gestern aufgefallen und dass es plötzlich band 2 nur mehr als Hardcover gibt! ich habe es doch noch gar nicht so lange als Taschenbuch gekauft.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Na dann sei froh, dass du es noch als TB ergattern konntest. Ich lese ja auf dem Reader und werde mir die beiden Teile dann im Laufe des Jahres zu legen, wenn beide veröffentlicht wurden.
      Ich freue mich auch schon riesig auf die LR :)

      Muss nun erstmal noch mein Fazit bei unserer Löwenhof LR kundtun.
      Hab es gestern nicht geschafft.

      LG Andrea

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  2. Hey Andrea,

    eine tolle Rezension zum Buch, die toll die Emotionen einfängt, die dieser Roman auslöst.
    Ich habe das Buch letztes Wochenende inhaliert und meine Rezension geht gleich online. Ich habe dich bei mir verlinkt.

    LG, Moni

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    1. Hallo Moni,
      vielen Dank für dein Feedback ;)

      Ich liebe diese Reihe und wie sie mich zum Nachdenken gebracht hat.
      Ich wünsche dir vorab schon mal ganz viel Spaß mit den zweiten Band der Reihe.

      LG Andrea

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