Montag, 8. September 2014

Rezension "Das Gesicht der Anderen"

Titel: Das Gesicht der Anderen
Autor: Fabian Eder
Seitenanzahl: 288 Seiten
Verlag: Braumüller Literaturverlag
Preis: 19,90€ als Hardcover
ISBN: 978-3-99200-116-3
Bestellen beim Verlag: *hier*

Dieses Buch habe ich bei Vorablesen gewonnen und habe mich sehr darüber gefreut, weil die Leseprobe mich wirklich neugierig gemacht hat.

Inhaltsangabe
Ein durch Zufall gelöster Schuss aus der Waffe ihres Vaters ändert das Leben der blutjungen, steinreichen Margarete Boll schlagartig. Isoliert von ihrer Umwelt, einsam und gefangen in einem goldenen Käfig, versteckt sie ihre seit dem Unfall grässlich entstellte Erscheinung hinter einer starren Maske und sehnt sich nach Liebe. Nur ein 36 Jahre älterer Mann vermag es, sie aus ihrer Isolation zu befreien. Er wendet als Erster den Blick nicht ab. Schleichend beginnen die Grenzen zwischen Moral, Hingabe, Perversion, Hass und Wahnsinn zu verrinnen, bis Margarete erkennt, dass gerade ihr größter Makel größte Macht bedeutet.
(Quelle: Braumüller)

 Meine Bewertung
In den ersten Zeilen trifft man auf Margarete und hat nur eine Ahnung, was der jungen Frau zugestoßen ist. Gleich auf S. 27 jedoch erfährt der Leser das wahre Ausmaß des Unfalls mit der Schusswaffe:
„…, aber wo Nase, Mund, Wangen und Kinn gewesen waren, war: nichts. Ober- und Unterkiefer, Nasenbein und das den unteren Rand der Augenhöhlen bildende Jochbein waren praktisch zur Gänze verschwunden. Die Augen waren noch da, aber nicht dort, wo sie hingehörten.“
Mich hat es wirklich schockiert, da ich als Therapeut weiß, dass man mit solch schrecklichen Fällen konfrontiert werden kann.

Die Voraussetzungen für die Story war geschaffen, der Unfall. Leider nahm ab da, die Spannung stark ab. Es wurde drum herum erzählt. Der Leser erfährt, wie Margarete mit ihrer Entstellung umgeht bzw. wie andere damit umgehen, man erfährt, dass Margarete in das Geschäft ihres Vaters einsteigt. Und ich glaube genau dieses Thema hat mir die Begeisterung am anfänglich erhofften Thema geraubt. Ich habe mir erhofft, es geht um den Unfall, die Geschehnisse im Anschluss, und mehr um ihre Isolation. Leider trat das Geschäft ihres Vaters, die Herstellung von Waffen zu sehr in den Vordergrund. Dies war die Ursache ihres Unfalls, wie kann man danach diese bösartigen Waffen weiter herstellen?? Fand ich schon sehr seltsam.

Allgemein zu den Charakteren ist zu sagen, dass mir Margarete am Anfang natürlich Leid tat. Wer will sowas erleben? Wer kann mit den Folgen umgehen? Die schüchterne Protagonistin ist über das anonyme Internet auf der Suche nach einem männlichen Gefährten. Leider hat sie damit alles andere als Glück. Als wieder ein Mann in ihr Leben tritt, scheint es völlig mit ihr durchzugehen. Sie spürt vor Selbstbewusstsein und annähernder Arroganz, was den Charakter leider sehr unsympathisch gemacht hat. Mit dem männlichen Protagonisten Hein wurde ich von Anfang an nicht warm. Lediglich Margarete’s Haushälterin und einzige Begleiterin Anna war mir sehr sympathisch.

Dass das Buch keine Kapitel hat, fand ich nicht so schlimm. Es waren immer wieder Absätze, an denen sich dann auch der Handlungsort änderte. Ich war schnell durch mit dem Buch. Die Bewertung im Anschluss fiel mir jedoch eher schwer.

Fazit
Ein Buch mit einem faszinierenden und stark schockierenden Auftakt, bei dem der Spannungsbogen leider nicht aufrecht erhalten werden konnte. Das spannende Thema glitt ab in die Herstellung und den Verkauf von Waffen und in das unabdingbare Verlangen nach Liebe und Anerkennung, bei dem es eine starke Verwandlung der Protagonistin ins Negative gab.

 Das Buch bekommt 2,5 von 5 Sternen.