Dienstag, 8. September 2015

[Rezension] Ein jeder Engel ist schrecklich

Titel: Ein jeder Engel ist schrecklich
Autorin: Susanna Tamaro
Verlag: Piper Verlag
Preis: 9,99€ (TB)
Seitenanzahl: 304 Seiten
ISBN: 978-3-492-30672-0
Kaufen: HIER
Leseprobe: HIER


Inhaltsangabe
Die erschütternde Kindheit einer großen Autorin
Das Kind ist hochsensibel und extrem schüchtern. Hübsch ist es auch nicht. Vom Bruder fast sadistisch gequält, von den Eltern weitgehend vernachlässigt – Susanna Tamaros Triester Kindheit ist alles andere als glücklich. Was das junge Mädchen rettet, ist die Liebe zur Literatur und die Entdeckung, dass die Welt trotz allem einfach überwältigend schön ist. Ein autobiographischer Roman, der erzählt, wie Susanna Tamaro zu einer so wunderbaren Schriftstellerin und einem so guten Menschen wurde.
(Quelle: Piper Verlag)



Meine Meinung
„Ein jeder Engel ist schrecklich“ ist mein erstes Buch der Autorin und dann gleich das autobiographische Werk, ich war sehr gespannt, die Autorin auf diesem Wege kennenzulernen.

Ziemlich zu Beginn wurde mir schon klar, dass der Engel im Titel des Buches einen großen Wert hat. Gott und das Leben mit dem kirchlichen Glauben spielt im Buch eine große Rolle für die Autorin und begleitet sie auf ihrem Weg.

Ihre sehr gefühllose Kindheit, in der sie immer wieder auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit zurückgewiesen und enttäuscht wurde, waren sehr schwere Jahre und ich denke jede Person würde so eine Zeit für den Rest des Lebens prägen. Besonders interessant fand ich den kurzen Einblick dahin, dass Susanna Tamaro als Kind an Ataraxie gelitten hat, das beschreibt eine Affektlosigkeit und innere Gelassenheit in Hinsicht auf emotionale Situation. Aufgrund ihrer Erfahrungen war sie irgendwann nicht mehr in der Lage, Gefühle zu entwickeln bzw. nach außen zu bringen.
Sie selbst bezeichnet sich in den frühen Kindheitstagen als „Eisberg-Mädchen“ oder „Abgrund-Mädchen“, welches einen Bezug auf den Mariannengraben hat, einen Tiefseegraben im Pazifik.

Für mich ein absoluter Pluspunkt ist, dass Tamaro immer wieder auf ihren wohl größten Erfolg „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ eingeht. Sie beschreibt das Buch an einer Stelle als „die Suche nach dem tieferen Selbst“ (S. 153) und ich denke, dass ich ein Anlass, dass ich mir dieses Buch vormerke.

Vom Gefühl her konnte mich ihr Leben im Erwachsenenalter ein wenig mehr begeistern bzw. in seinen Bann ziehen. Ihren Weg nach Rom, die Erkenntnis, dass sie das Schreiben liebt und ihre Entwicklung der Persönlichkeit konnten mich dann abschließend doch sehr beeindrucken.

Im Buch begegnen wir einigen Personen, die ihr Leben negativ beeinflusst haben, aber auch einige, die ihr Positives brachten. Ein guter Ausgleich meiner Meinung nach.

Aus der Erfahrung heraus, konnte sie die werden, die sie ist!
Und ich habe vor jedem Autor großen Respekt, der uns Lesern sein Leben offenbart. Aus diesem Grund finde ich es immer sehr schwer eine Autobiographie zu bewerten. Zudem zeigt dieses Buch eine Vielfalt von Zitaten auf, die mich unheimlich berührt und nachdenklich gemacht haben.

____________________________________________________________

Kleine Abzüge muss bei diesem Buch trotzdem machen, einfach in Hinsicht auf meinen Geschmack des Schreibstils und meinem allgemeinem Buchgeschmack.
Das bereits oben beschriebene immer wieder auftauchende Thema Kirche und Gott waren für mich eher langatmig und schleppend, einfach weil ich mit diesem Thema selbst nichts anfangen kann. Für die Autorin war es hingegen wichtig, sie ist so aufgewachsen, deshalb gehört es auch in dieses Buch.

Und in der Mitte war das Buch sehr häufig lyrisch angehaucht. Auch dies war noch nie mein Genre und erschwerte mir das Lesen zwischenzeitlich sehr.


Mein Fazit
Ein autobiographisches Werk, welches mich erst im letzten Drittel und wegen seiner Tiefgründigkeit für sich einnehmen konnte.
Susanna Tamaro schildert hier ihre bewegende und prägende Kindheit, welche Person deshalb aus ihr wurde und wie sie zum Schreiben kam.

Weitere Rezensionen zum Buch

Erwähnenswerte Zitate
„Und schon damals erschien mir der Tod als der einzige Garant für Wahrheit.“ (S. 30)

„Jeder ist Kind seiner Zeit.“ (S. 101)

„Ich habe vollstes Verständnis für diese Kinder, die Knall auf Fall vom Balkon springen. Ich persönlich lebte, indem ich täglich Erstickungsversuche machte.“ (S. 104)

„In der Freundschaft erfährt das menschliche Wesen die unvorhersehbar höchste Form der Beziehung.“ (S. 158)

„Was außen ist, bestimmt in nicht unerheblicher Weise das, was sich innen abspielt.“ (S. 252)


Die Autorin
Susanna Tamaro wurde 1957 in Triest geboren. Sie ist die Großnichte von Italo Svevo, ihr Talent als Autorin wurde allerdings von Federico Fellini entdeckt. Längere Zeit war sie Dokumentarfilmerin für das italienische Fernsehen, seit dem überwältigenden, weltweiten Erfolg von »Geh, wohin dein Herz dich trägt« lebt sie als freie Schriftstellerin in Rom und bei Orvieto. 
© Google

Weitere Bücher der Autorin
 
                                      (SuB)                        (Wunschliste)



Fällt es euch leicht Autobiographien zu rezensieren?



Mein herzlichster Dank für die Bereitstellung des Leseexemplares gilt