Montag, 30. März 2015

Rezension "Die Bismarcks"

Titel: Die Bismarcks - Eine deutsche Dynastie
Autorin: Jochen Thies
Verlag: Piper
Preis: 12,99€
Seitenanzahl: 432 Seiten
ISBN: 978-3-492-30535-8
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Inhaltsangabe
Triumph und Tragik einer deutschen Dynastie.
Die Bismarcks sind eine der großen deutschen Familien. Erstaunlich, dass über sie – abgesehen vom Reichsgründer – so wenig bekannt ist. Der Journalist und Historiker Jochen Thies erhielt als einer der Ersten Zugang zu den Nachlässen der fünf Enkel, er erforschte die tragische Lebensgeschichte von Herbert von Bismarck und kommt selbst bei der Kindheit und Jugend Otto von Bismarcks zu neuen Erkenntnissen. Ein Muss für jeden, der die deutsche Vergangenheit und Gegenwart verstehen will.
(Quelle: Piper)



Bewertung
Dieses Buch habe ich aus mehreren Gründen beim Verlag Piper angefragt: zum einen, weil das Oberhaupt der Bismarcks, Otto von Bismarck am 1. April 2015 seinen 200sten Geburtstag feiert. Und zum anderen, weil die Bismarcks zeitlebens in meiner Heimat gelebt haben. Das Geschlecht der Bismarcks wurde in meiner Heimatstadt Stendal zum ersten Mal im 13. Jahrhundert urkundlich festzustellen.
Diese beiden Gegebenheiten verbinden mich mit diesem Buch und somit machte ich mich auf die Reise in die Zeit Otto von Bismarcks und seiner Nachkommen.

Die Frage, die ich mir stellte und die sich zu Ehren dieser preußisch-deutschen Ausnahmepersönlichkeit auch ihr euch stellen solltet:

WER WAR BISMARCK?

© Google
Denn viele, gerade jüngere Leute wissen nicht mehr wer dieser Mann war bzw. für was seine Person zu heutiger Zeit noch immer steht.

Natürlich möchte ich in meiner Rezension nicht den Inhalt wiedergeben, sondern versuchen darzustellen, was mir dieses Buch brachte und welche Bedeutung ich es zuteil kommen lasse.

Die Geschichte um den begeisterten Zigarre rauchenden, Eisenbahnreisenden Otto v. Bismarck füllte sehr viele Wissenslücken, z.B. kenne ich jetzt die Namensgebung des Bismarck-Herings, ich erfuhr die Bedeutung des Schriftstellers Stendhal (Rot & Schwarz) und seine große Bedeutung in der Außenpolitik Deutschlands.
Bismarck wurde entweder bewundert oder gehasst, „und er fühlte sich durchaus wohl in der Rolle des bestgehassten deutschen Politikers“ (S. 93). Bei vielen wird Bismarck heute noch mit dem Antisemitismus in Verbindung gebracht, „aber er war und wurde kein Antisemit“ (S. 96).

Otto v. Bismarck arbeitete 26 Jahre eng zusammen mit Kaiser Wilhelm I. Nachdem dieser starb, kam nach kurzer Herrschaftszeit von Friedrich III. Kaiser Wilhelm II. an die Macht und dies bedeutete das Ende der Bismarck-Ära, denn zwischen diesen ungleichen Persönlichkeiten kam es zu vielen Ungereimtheiten. Bismarck sollte zurücktreten und das tat er.

Im weiteren Verlauf dieses Buches geht es um die Geschichte von Herbert v. Bismarck, dem Sohn von Otto und seiner Frau Johanna v. Puttkamer.
Herbert von Bismarck
© Google
Dieser hatte eine ganz besondere Beziehung zu seinem Vater, sowohl privat, als auch beruflich. Folgendes Zitat zeigt diese Beziehung deutlich auf:

„Ohne Dich würde Nacht ringsum sein, ich hänge mit allen Fasern meines Denkens und Lebens so an Dir und bin von frühester Jugend mit allen Geistes- und Herzensregungen so mit Dir verwachsen, wie mit keinem anderen Menschen: dagegen tritt alles andere zurück.“ (S. 190) (Herbert schrieb seinem Vater)

 Einen noch deutlich größeren Teil nehmen die Enkel und Enkelinnen von Otto v. Bismarck ein, also die Kinder Herberts. Diese bringen uns die Dynastie Bismarck in der Zeit von 1893 – 1981 näher.
Gerade diesen Teil fand ich persönlich am spannendsten und interessantesten, weil dieser Teil der aktuellen Zeitepoche am nahesten kam. Der Leser erfährt die Beziehungen der Enkel/-innen zum Nationalsozialismus. Otto v. Bismarck lehnte diesen ab, seine Nachkommen hingegen schlugen einen anderen Weg ein.

Der letzte Teil hingegen, konnte mich so gar nicht fesseln. Der letzte Teil des Buches nahm die Geschichte der Jarchliner Bismarcks ein. Hier geht es um Klaus von Bismarck, „er war kein direkter Nachfahre des Reichsgründers Otto v. Bismarck, entstammte also nicht der „Onkel-Otto-Familie“, sondern gehörte zu den Nachkommen von Ottos Bruder Bernhard, den Jarchlinern.“ (S. 333)

Hier noch ein Bild, welches nur ein Gutshaus der Bismarcks zeigt
Gutshaus Döbbelin bei Stendal
Fazit
Ein wirklich umfassendes und sehr gut recherchiertes Werk um die Dynastie der Bismarcks. Aufgrund seines Tiefgangs ist es kein Buch für Zwischendurch und weist recht oft Längen auf, die bei einer Biografie glaub ich nur schwer zu umgehen sind.
Merkwürdig fand ich, dass seinen Enkeln ein größerer Abschnitt zu kam, als Otto v. Bismarck selbst. Vielleicht mag dies an der Zeitepoche liegen.
Ich bin trotzdem froh dieses Buch gelesen zu haben und nun wissend über die Legende Bismarck und seiner Nachkommen zu sein.

Zum Autor
Jochen Thies, geboren 1944 in Rauschen in Ostpreußen, Dr. phil., arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in London. Er war Redenschreiber von Bundeskanzler Helmut Schmidt, Ressortleiter Außenpolitik der Tageszeitung »Die Welt«, Chefredakteur der Zeitschrift...
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Mein herzlichster Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares gilt